VB.2025.00645
ZH Verwaltungsgericht
Strassenbau und Strassenverkehr
Nichtbestehen der Kontrollfahrt mit ausländischem Führerausweis
Veröffentlicht am 29. August
Entschieden am 30. Juli
Der Volltext wird in der Originalsprache angezeigt (Deutsch).
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich: VB.2025.00645
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Geschäftsnummer:
VB.2025.00645
Entscheidart und -datum:
Endentscheid vom 30.07.2026
Spruchkörper:
1. Abteilung/Einzelrichter
Weiterzug:
Dieser Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.
Rechtsgebiet:
Administrativmassnahmen im Strassenverkehr
Betreff:
Aberkennung des ausländischen Führerausweises
Aberkennung des ausländischen Führerausweises.
Der Beschwerdeführerin war vor Erlass der erstinstanzlichen Verfügung keine Akteneinsicht gewährt worden, was eine Gehörsverletzung darstellte. Die Gehörsgewährung konnte jedoch im Rekursverfahren nachgeholt und die Verletzung damit geheilt werden (E. 2).
Dem Inhaber eines gültigen ausländischen Ausweises wird der schweizerische Führerausweis der entsprechenden Kategorie erteilt, wenn er auf einer Kontrollfahrt nachweist, dass er die Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der entsprechenden Kategorie sicher zu führen versteht, sofern er nicht von der Kontrollfahrt befreit ist. Besteht die betroffene Person die Kontrollfahrt nicht, wird der ausländische Führerausweis aberkannt (E. 3). Die Beschwerdeführerin hat die Kontrollfahrt nicht bestanden. Offensichtliche Fehler in der Beurteilung des Verkehrsexperten sind nicht ersichtlich. Die Vorgaben in der ASA-Richtlinie betreffend Kontrollfahrt und Zusatztheorieprüfung beim Umtausch einer ausländischen in eine Schweizer Fahrerlaubnis wurden eingehalten und der ausländische Führerausweis zu Recht aberkannt (E. 4).
Für Beschwerde- und (entgegen der Vorinstanz) auch für das Rekursverfahren ist der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (E. 5, E. 7).
Teilweise Gutheissung.
Stichworte:
ABERKENNUNG
AUSLÄNDISCHER FÜHRERAUSWEIS
KONTROLLFAHRT
UNENTGELTLICHE PROZESSFÜHRUNG (UP)
Rechtsnormen:
Art. 29 Abs. II BV
Art. 31 Abs. I SVG
Art. 32 Abs. I SVG
§ 16 Abs. I VRG
Art. 4 Abs. V VRV
Art. 4a Abs. I VRV
Art. 42 Abs. I lit. a VZV
Art. 42 Abs. IIIbis VZV
Art. 44 Abs. I VZV
Art. 44 Abs. Ibis VZV
Art. 44 Abs. Iquater VZV
Publikationen:
- keine -
Gewichtung:
(1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)
Gewichtung: 3
Verwaltungsgericht
des Kantons Zürich
1. Abteilung
VB.2025.00645
Urteil
des Einzelrichters
vom
30. Juli 2026
Mitwirkend: Verwaltungsrichter
Peter Sprenger,
Gerichtsschreiberin
Regina Meier.
In Sachen
A,
Beschwerdeführerin,
gegen
Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich,
Bereich Administrativmassnahmen,
Beschwerdegegner,
betreffend Aberkennung des ausländischen Führerausweises,
hat sich ergeben:
I.
Mit Einspracheentscheid vom
3. Juni 2025 aberkannte das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich A den
ausländischen Führerausweis bzw. verweigerte die Umschreibung des ukrainischen
Führerausweises. A wurde das Recht zur Verwendung des ausländischen nationalen
Führerausweises und allenfalls des internationalen Führerscheins in der Schweiz
auf unbestimmte Zeit ab 22. April 2025 aberkannt und das Fahren von
Motorfahrzeugen aller Kategorien, aller Unterkategorien sowie der
Spezialkategorien während dieser Zeit verboten. Dem Lauf der Rekursfrist und
der Einreichung eines allfälligen Rekurses entzog das Strassenverkehrsamt die
aufschiebende Wirkung.
II.
Dagegen erhob A am 1. Juli
2025 Rekurs bei der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich und beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Gewährung unentgeltlicher
Rechtspflege. Mit Entscheid vom 2. September 2025 wies die
Sicherheitsdirektion den Rekurs in materieller Hinsicht ab und verweigerte die
Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege. Dem
Lauf
der Beschwerdefrist und
einer allfälligen
Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung.
III.
A reichte gegen diesen Entscheid
am 2. Oktober 2025 beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde
ein und beantragte, der Rekursentscheid vom 2. September 2025 sowie die
Verfügung vom 3. Juni 2025 seien aufzuheben, eventualiter sei die Sache
zur erneuten Beurteilung respektive zur Durchführung einer erneuten
Kontrollfahrt zurückzuweisen und der Sachverhalt sei neu zu erheben; alles
unter Kostenfolge zulasten des Beschwerdegegners. In prozessualer Hinsicht sei
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen und es sei ihr die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Auch für das Verfahren vor den
Vorinstanzen seien ihr keine Kosten aufzuerlegen.
Mit Eingabe vom 8. Oktober
2025 verzichtete die Sicherheitsdirektion auf Beschwerdeantwort. Das
Strassenverkehrsamt beantragte am 13. Oktober 2025 die Abweisung der
Beschwerde unter Kostenauflage zulasten der Beschwerdeführerin. Am
21. Oktober 2025 reichte A aufforderungsgemäss Belege betreffend ihre
behauptete Mittellosigkeit ein und hielt mit Eingabe vom 5. November 2025
an ihren Anträgen fest. Am 10. November 2025 reichte das
Strassenverkehrsamt eine weitere Eingabe ein. A liess sich in der Folge nicht
mehr vernehmen.
Der Einzelrichter
erwägt:
1.
Die
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen
administrative Massnahmen im Strassenverkehr ergibt sich aus § 41 Abs. 1
des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG). Die Behandlung
entsprechender Beschwerden fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit
(§ 38b Abs. 1 lit. d Ziff. 1 VRG), sofern sie nicht wegen
grundsätzlicher Bedeutung der Kammer zur Beurteilung überwiesen werden
(§ 38b Abs. 2 VRG). Da im vorliegenden Fall kein Anlass für eine
Überweisung besteht, ist der Entscheid durch den Einzelrichter zu fällen.
2.
Die Beschwerdeführerin rügt
zunächst eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs, da der Beschwerdegegner ihr
vor Erlass der angefochtenen Verfügung keine Akteneinsicht gewährt habe und die
Sicherheitsdirektion ihr nicht von Anfang des Rekursverfahrens an, sondern erst
am 15. Juli 2025 Einsicht in die Verfahrensakten gewährt habe.
Der Anspruch auf rechtliches
Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999
[BV]) umfasst als verfassungsrechtliches Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die
einer betroffenen Person einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3; 144
II 427 E. 3.1). Dazu gehört insbesondere auch der Anspruch auf
Akteneinsicht (Alain Griffel in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [Kommentar VRG], 3. A.,
Zürich etc. 2014, § 8 N. 5 ff.).
Wie die Vorinstanz feststellte, war
der Beschwerdeführerin vor Erlass der erstinstanzlichen Verfügung keine
Akteneinsicht gewährt worden, was eine Gehörsverletzung darstellte. Da der
Rekurrentin die relevanten Fahrfehler jedoch vorab mitgeteilt worden waren, wog
die Verletzung nicht besonders schwer. Da die unterlassene Gehörsgewährung
sodann im Rekursverfahren wo eine Prüfung im gleichen Umfang wie vor der
Vorinstanz gestattet ist nachgeholt werden konnte, durfte die Vorinstanz
zulässigerweise von einer Heilung der Gehörsverletzung ausgehen (vgl. etwa
BGE 147 IV 340 E. 4.11.3; 142 II 218 E. 2.8.1; 137 I 195 E. 2.3.2).
Nichts ableiten kann die
Beschwerdeführerin sodann aus ihrem Vorbringen, die Akteneinsicht im
Rekursverfahren sei ihr nicht vom Anfang des Verfahrens an gewährt worden. Die
Akten wurden ihr von der Vorinstanz am 15. Juli 2025 zugesandt und sie
konnte im Rahmen ihrer Rekursreplik vom 1. August 2025 dazu Stellung
nehmen. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden und es liegt keine
Gehörsverletzung vor.
3.
Gemäss Art. 42 Abs. 1
lit. a der Verordnung vom 27. Oktober 1976 über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (VZV) darf eine ausländische Person
in der Schweiz ein Motorfahrzeug führen, wenn sie über einen gültigen
nationalen Führerausweis verfügt. Einen schweizerischen Führerausweis benötigt
die ausländische Person, wenn sie seit zwölf Monaten in der Schweiz wohnt und
sich in dieser Zeit nicht länger als drei Monate ununterbrochen im Ausland
aufgehalten hat (Art. 42 Abs. 3
bis
lit. a VZV). Nach Art. 44
Abs. 1 VZV wird dem Inhaber eines gültigen ausländischen Ausweises der
schweizerische Führerausweis der entsprechenden Kategorie erteilt, wenn er auf
einer Kontrollfahrt nachweist, dass er die Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge
der entsprechenden Kategorie sicher zu führen versteht (oder was vorliegend
nicht der Fall ist sein Herkunftsstaat in der Länderliste gemäss
Kreisschreiben des ASTRA vom 1. Oktober 2013 betreffend Führerausweise von
Personen mit Wohnsitz im Ausland aufgeführt ist und er daher von der
Kontrollfahrt befreit ist). Die Kontrollfahrt kann gemäss Art. 44
Abs. 1
bis
nicht wiederholt werden. Besteht die betroffene
Person die Kontrollfahrt nicht, wird der ausländische Führerausweis aberkannt (Art. 44
Abs. 1
quater
VZV).
4.
4.1
Im Rahmen der
Umschreibung ihres ukrainischen Führerausweises unterzog sich die
Beschwerdeführerin am 22. April 2025 einer Kontrollfahrt, welche sie nicht
bestand. Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Gründe für ihr Nichtbestehen
seien nicht nachvollziehbar. So stehe die unzulässigerweise erst im
Nachhinein erstellte Protokollnotiz des Prüfungsexperten im Widerspruch
zum offiziellen Prüfungsbescheid, insbesondere auch betreffend die verbalen
Eingriffe des Experten während der Fahrt. Weiter sei ihr zu Unrecht vorgeworfen
worden, die zulässige Höchstgeschwindigkeit unterschritten bzw. den Verkehr
behindert, eine Sicherheitslinie überfahren und die Teststrecke nicht gekannt
zu haben. Sie verfüge über langjährige Fahrpraxis und sei eine sichere
Automobilistin. Insgesamt seien die Vorgaben betreffend Kontrollfahrten in der ASA-Richtlinie
Nr. 19b betreffend Kontrollfahrt und Zusatztheorieprüfung bei Umtausch
einer ausländischen in eine schweizerische Fahrerlaubnis nicht umgesetzt
worden.
4.2
Im negativen
Prüfungsbescheid vom 22. April 2025 wurden stichwortartig Fahrfehler der
Beschwerdeführerin aufgeführt, so unter anderen "Geschwindigkeit
ungenügend, div. Behinderungen", "unzweckmässig Sicherheitslinie
überfahren", "unsicher", "Vortritt" oder
"Eingriff verbal". Da der Experte im Verlauf der Probefahrt laufend
die Leistungen der Beschwerdeführerin zu beurteilen hatte und gleichzeitig in
der Lage sein musste, bei sicherheitsrelevanten Fehlern einzugreifen, konnte
die Probefahrt naturgemäss nicht ausführlicher protokolliert werden. Am
Folgetag erstellte der Experte eine Aktennotiz zur Kontrollfahrt, worin die
Fahrfehler präzisiert wurden ("Richtung Chur Sicherheitslinie überfahren,
danach Weiterfahrt [auf einer Autobahnstrecke] mit 70 km/h",
"Weiter durch den Sennwald [Ausserortstrecke] mit 55 km/h",
"Einfahrt in die Begegnungszone Vollbremsung wegen einer
Velofahrerin unsicher Vortritt" oder "Wetzikon nach Hinwil
Fahrstreifenverminderung nur nach links geschaut und fast in vorderes Auto
aufgefahren Eingriff verbal"). Dieses Vorgehen ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu beanstanden (BGr, 28. April 2020,
1C_384/2019, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). Eine sachgerechte Anfechtung
war der Beschwerdeführerin aufgrund dieser Notizen denn auch ohne Weiteres
möglich. Es sind sodann keine Widersprüche zwischen dem negativen
Prüfungsbescheid und der Aktennotiz erkennbar; vielmehr erweist sich die
Protokollierung als den Umständen entsprechend klar, widerspruchsfrei und
nachvollziehbar. Im Übrigen ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die
materielle Beurteilung des Verkehrsexperten im Rechtsmittelverfahren nur auf
offensichtliche Fehler hin zu prüfen (BGr, 14. März 2002, 6A.121/2001,
E. 3a). Solche sind jedenfalls nicht ersichtlich. Die Begründung der nicht
bestandenen Probefahrt ist nicht zu beanstanden und der Sachverhalt erweist
sich als rechtsgenügend festgestellt. Auf die weiteren von der
Beschwerdeführerin beantragten Beweiserhebungen kann verzichtet werden.
4.3
4.3.1
Grundsätzlich
muss der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen
Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes
vom 19. Dezember 1958 [SVG]). Die Fahrgeschwindigkeit ist stets den
Umständen, namentlich den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen,
anzupassen (). Unter günstigen Verhältnissen
beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit ausserhalb von Ortschaften
80 km/h und auf Autobahnen 120 km/h (Art. 4a Abs. 1
lit. b und lit. d der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November
1962 [VRV]). Der Fahrzeugführer darf ohne zwingende Gründe nicht so langsam
fahren, dass er einen gleichmässigen Verkehrsfluss hindert (Art. 4
Abs. 5 VRV).
4.3.2
Die
Beschwerdeführerin fuhr trotz guter Bedingungen (sonnig, trockene Fahrbahn,
normales Verkehrsaufkommen) auf der Autobahn nur 70 km/h und auf der
Ausserortsstrecke bei Sennwald 55 km/h, was zu diversen Behinderungen
führte. Sie stellt dies denn auch nicht in Abrede; vielmehr sei eine defensive
Fahrweise angezeigt gewesen, da ihr die Prüfungsstrecke nicht bekannt gewesen
sei. Dies stellt jedoch keinen zwingenden Grund bzw. keine Rechtfertigung für
eine Verkehrsbehinderung dar. Auch auf ihnen unbekannten Strecken dürfen
Automobilisten den Verkehrsfluss nicht behindern und sie müssen in der Lage
sein, sich auch anhand der Wegweiser und der anderen Beschilderungen
zurechtzufinden. Weiter ergibt sich nebst anderen Fahrfehlern aus den Akten
(und wird von der Beschwerdeführerin denn auch nicht substanziiert bestritten),
dass bei der Einfahrt in die Begegnungszone eine Vollbremsung in Zusammenhang
mit einer Fahrradfahrerin notwendig wurde und es zwischen Wetzikon und Hinwil
fast zu einer Auffahrkollision kam (s. oben E. 4.2).
4.3.3
Die Vorgaben der
ASA-Richtlinie Nr. 19b betreffend Kontrollfahrt und Zusatztheorieprüfung
bei Umtausch einer ausländischen in eine schweizerische Fahrerlaubnis nennen
namentlich Fehler beim Verkehrssehen, ungenügende Reaktion im Bereich von
Gefahrenstellen und Nichtanpassen der Geschwindigkeit als Gründe für das
Nichtbestehen der Kontrollfahrt (ASA-Richtlinie Nr. 19b, Ziff. 10
Anhang Bewertung der Fehler). Mit Blick auf die vorstehend geschilderten
Fahrfehler, die insbesondere auch in einer Gesamtbetrachtung ein ungenügendes
Verkehrssehen der Beschwerdeführerin deutlich belegen, ist nicht ersichtlich,
inwiefern die Vorgaben der genannten Richtlinie nicht eingehalten worden wären.
Die Kontrollfahrt wurde damit korrekt bewertet und eine Wiederholung ist nicht
angezeigt. Dass die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben über eine
langjährige, unfallfreie Fahrpraxis verfügt, schliesst das Nichtbestehen der
Kontrollfahrt nicht aus: Wie bei Prüfungen üblich, handelt es sich bei der
Kontrollfahrt um eine Momentaufnahme und nur dieser Zeitpunkt ist für die
Beurteilung zu beachten.
4.3.4
Da die
Beschwerdeführerin die Kontrollfahrt nicht bestanden hat, wurde der
ausländische Führerausweis zu Recht aberkannt. Die Beschwerde ist in
materieller Hinsicht abzuweisen.
5.
5.1
Die
Beschwerdeführerin ersucht für das Rekursverfahren um unentgeltliche
Prozessführung (§ 16 Abs. 1 VRG). Die Sicherheitsdirektion hat das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege infolge offensichtlicher
Aussichtslosigkeit abgewiesen und ihr die Kosten des Rekursverfahrens zu zwei
Dritteln (Fr. 720.- von insgesamt Fr. 1'080.-) auferlegt. Es ist
nachfolgend zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren
die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen gewesen wäre. Die Vorinstanz
hat sich hierzu nicht geäussert.
5.2
Die
Beschwerdeführerin ist Sozialhilfebezügerin und hat ihre Mittellosigkeit
glaubhaft dargelegt. In Anbetracht dessen, dass die angefochtene
erstinstanzliche Verfügung eher knapp begründet war und die Beschwerdeführerin
zu Recht Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit der Gehörsgewährung geltend
machte (s. oben E. 2), kann der Rekurs nicht als offensichtlich
aussichtslos im Sinn von § 16 Abs. 1 VRG bezeichnet werden (s. Kaspar
Plüss, Kommentar VRG, § 16 N. 53 unter Hinweis auf VGr, 6. Dezember
2012, VB.2012.00173, E. 8.2, wonach die fehlende Aussichtslosigkeit
insbesondere zu bejahen ist, wenn die Rüge einer Gehörsverletzung
voraussichtlich zu einer Rückweisung in der Sache oder aber zu einer Heilung
der Gehörsverletzung führen wird).
Die Sicherheitsdirektion sah
somit zu Unrecht davon ab, der Beschwerdeführerin für das Rekursverfahren die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Insoweit erweist sich die Beschwerde
als begründet und ist der Rekursentscheid zu korrigieren. Die Beschwerdeführerin
wird jedoch auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 VRG
hingewiesen.
5.3
Soweit die
Beschwerdeführerin auch für das Einspracheverfahren beim Strassenverkehrsamt
unentgeltliche Prozessführung beantragen möchte, erweist sich ihr erst nach
Ergehen des Einspracheentscheids gestelltes Gesuch allerdings als verspätet
(Plüss, Kommentar VRG, § 16 N. 61).
6.
Das Gesuch um Wiedererteilung der
aufschiebenden Wirkung wird mit dem vorliegenden
Entscheid
gegenstandslos.
7.
7.1
Zusammenfassend
ergibt sich, dass die Beschwerde insoweit gutzuheissen ist, als der
Beschwerdeführerin für das Rekursverfahren die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2
Damit unterliegt
die Beschwerdeführerin vor Verwaltungsgericht im Hauptpunkt. Entsprechend
diesem insgesamt überwiegenden Unterliegen sind ihr die Gerichtskosten zu drei
Vierteln aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2
VRG). Für den restlichen Kostenviertel rechtfertigt sich in Anbetracht der
Umstände eine Übernahme auf die Gerichtskasse (Plüss, Kommentar VRG, § 13
N. 49).
7.3
Die
Beschwerdeführerin ersucht für das Beschwerdeverfahren um unentgeltliche
Prozessführung (§ 16 Abs. 1 VRG). Angesichts ihrer Mittellosigkeit
und weil die Beschwerde insgesamt nicht offensichtlich aussichtslos war, ist
ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und ihr Anteil an den
Gerichtskosten (drei Viertel) einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 VRG hinzuweisen, wonach eine
Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung
verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
8.
Zur
Rechtsmittelbelehrung des nachfolgenden Dispositivs ist Folgendes zu erläutern:
Gemäss Art. 83 lit. t des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(BGG) ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unzulässig
gegen Entscheide über das Ergebnis von Prüfungen und
anderen Fähigkeitsbewertungen. Da es sich bei der Kontrollfahrt um eine
solche Fähigkeitsprüfung handelt (BGr, 4. September 2019, 1C_135/2019,
E. 1.1), kann nur die subsidiäre Verfassungsbeschwerde gemäss
ergriffen werden.
Demgemäss
erkennt
der Einzelrichter:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde und
Abänderung der Dispositiv-Ziff. II und III des Rekursentscheids der
Sicherheitsdirektion vom 2. September 2025 wird der Beschwerdeführerin für
das Rekursverfahren die unentgeltliche Prozessführung gewährt. Die ihr
auferlegten Kosten des Rekursverfahrens in der Höhe von Fr. 720.-
verbleiben einstweilen der Staatskasse.
Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2. Die
Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'500.--; die übrigen Kosten betragen:
Fr. 120.--
Zustellkosten,
Fr. 1'620.--
Total der Kosten.
3. Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche
Prozessführung für das Beschwerdeverfahren gewährt.
4. Die Gerichtskosten werden zu drei Vierteln der
Beschwerdeführerin auferlegt, infolge Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die
Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.
Die
restlichen Gerichtskosten (ein Viertel) werden auf die Gerichtskasse genommen.
5. Gegen dieses Urteil kann subsidiäre
Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. des Bundesgerichtsgesetzes
erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an
gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.
6. Mitteilung an die
Parteien.
Referenzen
Bestimmungsliste
- VB.2025.00645Nichtbestehen der Kontrollfahrt mit ausländischem Führerausweis