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VB.2025.00524

ZH Verwaltungsgericht

Öffentliches Dienstverhältnis

Umdeutung unrechtmässiger Kündigung in Entlassung altershalber

Veröffentlicht am 21. August

Entschieden am 30. Juli

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Verwaltungsgericht des Kantons Zürich: VB.2025.00524
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Geschäftsnummer:
VB.2025.00524
Entscheidart und -datum:
Endentscheid vom 30.07.2026
Spruchkörper:
4. Abteilung/4. Kammer
Weiterzug:
Dieser Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.
Rechtsgebiet:
Personalrecht
Betreff:
Kündigung
[Der im Kündigungszeitpunkt 59-jährige Beschwerdeführer verlangt, dass seine von der Vorinstanz als unrechtmässig eingestufte Kündigung in eine (unrechtmässige) Entlassung altershalber umzudeuten sei.] Eine Entlassung altershalber ist nur zulässig, wenn ein sachlicher Kündigungsgrund bejaht wird; aus dem Personalgesetz lässt sich kein Anspruch auf Umwandung einer unrechtmässigen Kündigung in eine (unrechtmässige) Entlassung altershalber herleiten (zum Ganzen E. 3). Abweisung.
Stichworte:
AUSLEGUNG
ENTLASSUNG
ENTLASSUNG ALTERSHALBER
KONVERSION
SACHLICHER KÜNDIGUNGSGRUND
UNRECHTMÄSSIGE KÜNDIGUNG
Rechtsnormen:
§ 18 Abs. 2 PG
§ 24b PG
Publikationen:
- keine -
Gewichtung:
(1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)
Gewichtung: 1
Verwaltungsgericht
des Kantons Zürich
4. Abteilung
VB.2025.00524
Urteil
der 4. Kammer
vom
30. Juli
2026
Mitwirkend: Abteilungspräsidentin
Tamara Nüssle (Vorsitz), Verwaltungsrichter Marco Donatsch, Verwaltungsrichter
Reto Häggi Furrer,
Gerichtsschreiberin
Sonja Güntert.
In Sachen
A,
vertreten
durch RA B,
Beschwerdeführer,
gegen
Kanton Zürich,
vertreten durch
die Datenschutzbeauftragte
des Kantons Zürich
vertreten
durch RA C,
Beschwerdegegner,
betreffend Kündigung,
hat sich
ergeben:
I.
A (geboren 1965) war seit Juli
2016 für den bzw. die Datenschutzbeauftragte(n) des Kantons Zürich tätig,
zuletzt als … Mit Verfügung vom 5. August 2024 löste die
Datenschutzbeauftragte das Anstellungsverhältnis wegen mangelhaften Verhaltens
per Ende Februar 2025 auf. Einen hiergegen erhobenen Rekurs hiess die
Verwaltungsdelegation der Geschäftsleitung des Kantonsrats am 24. April
2025 gut und stellte fest, dass die Kündigung nichtig sei.
Mit Verfügung vom 13. Februar
2025 hatte die Datenschutzbeauftragte das Anstellungsverhältnis per 31. August
2025 erneut aufgelöst, sofern es zu diesem Zeitpunkt noch bestehe.
II.
Mit Rekurs vom 17. März
2025 beantragte A der Verwaltungsdelegation der Geschäftsleitung des Kantonsrats,
die Verfügung vom 13. Februar 2025 sei aufzuheben und er altershalber zu
entlassen, zudem sei ihm eine Entschädigung von vier Monatslöhnen und eine
Abfindung von sechs Monatslöhnen zuzusprechen. Mit Entscheid vom 23. Juni
2025 hiess die Verwaltungsdelegation der Geschäftsleitung des Kantonsrats den
Rekurs teilweise gut, stellte die Unrechtmässigkeit der Kündigung fest und
sprach A eine Entschädigung von drei Monatslöhnen und eine Abfindung von drei
Monatslöhnen zu; im Übrigen wies sie den Rekurs ab.
III.
A erhob am 26. August 2025
Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, unter Entschädigungsfolge
sei der Rekursentscheid teilweise aufzuheben und er sei altershalber zu
entlassen. Die Datenschutzbeauftragte schloss am 29. September 2025 auf
Abweisung der Beschwerde unter Entschädigungsfolge. Mit weiteren Stellungnahmen
von A vom 22. Oktober 2025 und der Datenschutzbeauftragten vom 7. November
2025 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Die Kammer erwägt:
1.
Das
Verwaltungsgericht ist für Beschwerden gegen Rekursentscheide der
Verwaltungsdelegation der Geschäftsleitung des Kantons gemäss § 41 in
Verbindung mit § 19b Abs. 2 lit. g Ziff. 1 und § 42
lit. b Ziff. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24.
Mai 1959 (VRG, LS 175.2) zuständig.
Weil auch die weiteren
Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Der Streitwert bestimmt sich
nach den Sparbeiträgen, die der Beschwerdegegner bei einer Entlassung
altershalber zur Äufnung des Sparkapitals des Beschwerdeführers ab der
Auflösung des Anstellungsverhältnisses bis zum Alter von 65 Jahren
bezahlen müsste. Diese betragen insgesamt rund Fr. 147'000.-; die
Angelegenheit fällt damit in die Zuständigkeit der Kammer (§ 38 Abs. 1
in Verbindung mit § 38b Abs. 1 lit. c VRG).
3.
3.1
Strittig ist
einzig die Frage, ob die Feststellung der Vorinstanz, dass das
Anstellungsverhältnis des Beschwerdeführers zu Unrecht wegen mangelhaften
Verhaltens aufgelöst wurde, eine Konversion dieser Kündigung in eine Entlassung
altershalber zur Folge haben muss, weil der Beschwerdeführer im
Beendigungszeitpunkt 59 Jahre alt war.
3.2
Nach § 24b
Abs. 1 des Personalgesetzes vom 27. September 1998 (PG,
LS 177.10) werden Angestellte altershalber entlassen, wenn die
Voraussetzungen gemäss § 18 Abs. 2 PG erfüllt sind (lit. a), die
Probezeit abgelaufen ist (lit. b), das Arbeitsverhältnis nach Vollendung
des 58. Altersjahrs endet (lit. c), die Entlassung nicht auf das
Verschulden der oder des Angestellten zurückzuführen ist (lit. d) und der
oder dem Angestellten keine zumutbare Stelle angeboten oder vermittelt werden
kann (lit. e).
Der Beschwerdeführer ist der
Auffassung, dass auch dann Anspruch auf eine Entlassung altershalber bestehe,
wenn eine Rechtsmittelinstanz die Unrechtmässigkeit einer Kündigung wegen mangelhafter
Leistung oder mangelhaften Verhaltens feststelle; die unrechtmässige Kündigung
müsse in solchen Fällen in eine Entlassung altershalber umgewandelt werden. Die
Vorinstanz lehnt eine Konversion der von ihr als unrechtmässig erkannten
Kündigung in eine Entlassung altershalber ab, weil es am dafür notwendigen
sachlichen Grund gemäss § 18 Abs. 2 PG fehle. Bei der Entlassung
altershalber gehe es nicht darum, die Unrechtmässigkeit einer Kündigung
auszugleichen, sondern darum, Angestellten, deren Kündigung infolge eines sachlichen
Grundes unumgänglich sei, eine Frühpensionierung zu ermöglichen.
3.3
Obwohl ein
personalrechtliches Institut, war die Entlassung altershalber ursprünglich nur
in den Statuten der kantonalen Versicherungskasse geregelt; erst mit deren
Verselbständigung im Jahr 2014 wurde die Bestimmung in das Personalgesetz
überführt (ausführlich hierzu VGr, 2. Februar 2022, VB.2021.00252,
E. 4.5, auch zum Folgenden). In der Weisung zur entsprechenden
Gesetzesvorlage führte der Regierungsrat zunächst aus, es sei klarzustellen,
dass für eine Entlassung altershalber die gleichen materiellen und formellen
Voraussetzungen zu erfüllen seien, die für eine ordentliche Kündigung durch den
Kanton gälten. Sodann sei eine Ausfinanzierung der Sparvorschriften nur
gerechtfertigt, wenn die Mitarbeitenden kein Verschulden an der Entlassung
treffe. Dabei gelte der Verschuldensbegriff, wie er vom Verwaltungsgericht im
Zusammenhang mit der Abfindung entwickelt worden sei. Die Auflösung des Anstellungsverhältnisses
sei entsprechend dann unverschuldet, wenn sie nicht auf Gründe zurückzuführen
sei, die von den betroffenen Angestellten zu vertreten seien. Typische Fälle
seien die Aufhebung einer Stelle oder der Tatbestand, dass die oder der
Angestellte die gewachsenen Anforderungen einer Stelle aufgrund mangelnder
Eignung nicht mehr erfülle. Hingegen führe die Entlassung wegen ungenügender
Leistungen aus anderen Gründen oder wegen des Verhaltens in der Regel nicht zu
einer Abfindung (Antrag und Weisung zum Gesetz über die Nachführung des Personalrechts
im Hinblick auf die Verselbständigung der Versicherungskasse für das
Staatspersonal vom 11. Dezember 2013, ABl 2013-12-27, S. 13 f.).
3.4
In einem Urteil,
das eine Mitarbeiterin betraf, die die gewachsenen Anforderungen an ihre Stelle
unverschuldet nicht mehr erfüllte, kam das Verwaltungsgericht zum Schluss, es
hätte eine Entlassung altershalber statt einer Kündigung wegen mangelhafter
Leistung angeordnet werden müssen, und wies die Angelegenheit an die
Arbeitgeberin zurück, damit diese entsprechend vorgehe. Seien die
Voraussetzungen für eine Entlassung altershalber erfüllt, komme der
Arbeitgeberin kein Wahlrecht zu und dürfe diese nicht stattdessen zur
ordentlichen Kündigung schreiten (VGr, 21. November 2018, VB.2018.00290,
E. 3). Ob eine solche Konversion auch dann anzuordnen ist, wenn das
Vorliegen eines sachlichen Kündigungsgrunds verneint wird und insofern auch die
Voraussetzungen für eine Entlassung altershalber nicht erfüllt sind, musste das
Verwaltungsgericht bisher nicht klären (vgl. VGr, 20. April 2023, VB.2022.00691,
E. 5.1).
3.5
Folgte das Gericht
der Auffassung des Beschwerdeführers, hätte dies im Anwendungsbereich des Personalgesetzes
zur Folge, dass für Arbeitnehmende ab einem Alter von 58 Jahren ein
zusätzlicher Kündigungsschutz in dem Sinn gälte, dass eine unrechtmässige
Kündigung stets in eine Entlassung altershalber umzuwandeln wäre. Eine solche
Rechtsfolge muss sich aus dem Personalrecht herleiten lassen.
3.5.1
Erweist sich
eine Kündigung als rechtswidrig, ist gemäss § 18 Abs. 3 PG eine
Entschädigung nach den Bestimmungen des Obligationenrechts über die
missbräuchliche Kündigung geschuldet und bleibt die Ausrichtung einer Abfindung
ausdrücklich vorbehalten. Eine Umwandlung der rechtswidrigen Kündigung in eine
Entlassung altershalber sieht diese Bestimmung hingegen nicht vor. Auch aus dem
Wortlaut von § 24b PG lässt sich nicht herleiten, dass eine als
unrechtmässig erkannte ordentliche Kündigung in eine Entlassung altershalber
umgewandelt werden könnte. Im Gegenteil setzt § 24b Abs. 1 lit. a
PG ausdrücklich voraus, dass ein sachlicher Grund für die Beendigung des Anstellungsverhältnisses
vorliegen müsse.
Der
Wortlaut des Gesetzes spricht damit gegen eine solche Konversion.
3.5.2
Die Entlassung
altershalber ist ein Auffangnetz für Angestellte, deren Anstellung aus Gründen
gekündigt wird, die sie nicht beeinflussen konnten, und die in einem Alter
sind, in dem es erfahrungsgemäss schwierig ist, eine neue Stelle zu finden. Sie
ermöglicht eine vorzeitige Pensionierung mit einer gewissen Abfederung der
daraus folgenden finanziellen Konsequenzen, indem das Altersguthaben um die bis
zum ordentlichen Pensionierungsalter fehlenden Beiträge aufgestockt wird. Damit
ist dem öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber im Ergebnis möglich, eine
unverschuldete Entlassung älterer Arbeitnehmender sozialverträglich
auszugestalten. Der Gesetzgeber hatte dabei ausschliesslich Fälle vor Augen, in
denen der Arbeitgeber den Arbeitnehmenden die Gründe nicht vorwirft, die ihn
zur Auflösung des Anstellungsverhältnisses bewegen. Auch aus diesem Sinn und
Zweck der Entlassung altershalber lässt sich nicht herleiten, dass eine mit
schuldhaftem Verhalten begründete Kündigung in eine Entlassung altershalber
umgewandelt werden kann, wenn eine Rechtmittelinstanz die angeführten Gründe
für nicht hinreichend gewichtig oder nicht hinreichend bewiesen hält.
3.6
Demnach ist eine
Entlassung altershalber nur zulässig, wenn ein sachlicher Kündigungsgrund
bejaht wird, und lässt sich aus dem Personalgesetz kein Anspruch auf Umwandlung
einer unrechtmässigen Kündigung in eine (unrechtmässige) Entlassung
altershalber herleiten. Dies mag aus Sicht des Beschwerdeführers ungerecht
erscheinen. Es entspricht jedoch der allgemeinen gesetzlichen Systematik,
wonach es den Rechtsmittelinstanzen grundsätzlich verwehrt ist, unrechtmässige
Kündigungen aufzuheben (§ 27a Abs. 1 und § 63 Abs. 3 VRG).
Diese Regel gilt für sämtliche Kündigungen – unabhängig davon, wie alt die
Person ist, der zu Unrecht gekündigt wurde.
Dies führt zur Abweisung der
Beschwerde.
4.
Weil der Streitwert mehr als
Fr. 30'000.- beträgt, sind Gerichtskosten aufzuerlegen (§ 65a
Abs. 3 VRG). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen und ist diesem keine Parteientschädigung zuzusprechen (§ 65a
Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 und § 17
Abs. 2 VRG). Der in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätig gewordenen
Datenschutzbeauftragten steht praxisgemäss ebenfalls keine Parteientschädigung
zu (VGr, 20. August 2025, VB.2025.00009, E. 6.2).
Demgemäss erkennt die Kammer:
1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.    Die
Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 7'000.--;    die übrigen Kosten betragen:
Fr.    145.--
Zustellkosten,
Fr. 7'145.--
Total der Kosten.
3.    Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdeführer
auferlegt.
4.    Parteientschädigungen werden nicht zugesprochen.
5.    Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes
erhoben werden. Sie ist binnen 30 Tagen ab Zustellung beim Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen.
6.    Mitteilung an:
a)    die Parteien;
b)    die Verwaltungsdelegation der Geschäftsleitung des Kantonsrates.

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