VB.2025.00847
ZH Verwaltungsgericht
Abstimmungsinformationen zur Gestaltungsplanrevision
Veröffentlicht am 21. August
Entschieden am 30. Juli
Der Volltext wird in der Originalsprache angezeigt (Deutsch).
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich: VB.2025.00847
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Geschäftsnummer:
VB.2025.00847
Entscheidart und -datum:
Endentscheid vom 30.07.2026
Spruchkörper:
4. Abteilung/4. Kammer
Weiterzug:
Dieser Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.
Rechtsgebiet:
Übriges Verwaltungsrecht
Betreff:
Abstimmung über die Teilrevision des privaten Gestaltungsplans Sigst Süd
[Stimmrechtsbeschwerde betreffend die Beschlüsse an der Gemeindeversammlung über die Teilrevision eines privaten Gestaltungsplans - die Beschwerdeführer rügen, die Ausführungen des Gemeinderats zuhanden der Gemeindeversammlung seien aus planungsrechtlicher Sicht (Ausmass der Ausnützung) falsch.]
Abstimmungserläuterungen genügen dem Erfordernis der sachlichen Information der Stimmberechtigten, wenn die Aussagen darin wohlabgewogen sind und beachtliche Gründe dafürsprechen, wenn sie ein umfassendes Bild der Vorlage mit ihren Vor- und Nachteilen abgeben und den Stimmberechtigten eine Beurteilung ermöglichen. Das Gebot der Sachlichkeit verbietet es, für den Entscheid der Stimmberechtigten wichtige Elemente zu unterdrücken oder für die Meinungsbildung bedeutende Gegebenheiten zu verschweigen (E. 2.2). Im Rahmen der Stimmrechtsbeschwerde ist nicht der Gestaltungsplan auszulegen, sondern zu prüfen, ob die Angaben des Gemeinderats eine freie und unverfälschte Willensbildung ermöglichten, indem sie insgesamt wohlabgewogen und umfassend waren und auf beachtlichen Gründen beruhten (E. 4.1). Dies ist zu bejahen: Hinsichtlich der zulässigen Ausnützungsziffer ist ein Vergleich mit den Bestimmungen über die Arealüberbauung zulässig (E. 4.2). Sodann erweist sich die Angabe einer Ausnützungssteigerung von knapp 20 % (gegenüber der Grundordnung bzw. Regelbauweise) als nachvollziehbar (E. 4.2). Insgesamt sind die Ausführungen und Informationen des Gemeinderats widerspruchsfrei, nachvollziehbar, umfassend und mit den Rechtsgrundlagen vereinbar, weshalb keine Irreführung der Stimmberechtigten über das Ausmass der Ausnützung vorliegt (E. 4.4 und E. 4.6). Dasselbe gilt in Bezug auf die Einhaltung der planungsrechtlichen Grundordnung (E. 4.5).
Abweisung.
Stichworte:
ABSTIMMUNGSERLÄUTERUNGEN
AUSNÜTZUNGSBERECHNUNG
FREIE WILLENSBILDUNG0
GEMEINDEVERSAMMLUNG
GESTALTUNGSPLAN
GESTALTUNGSPLANVORSCHRIFTEN
INFORMATION DER STIMMBERECHTIGTEN
PLANUNGSRECHT
POLITISCHE RECHTE
STIMMRECHTSREKURS
Rechtsnormen:
Art./§ 19 Abs. 1 GG
Publikationen:
- keine -
Gewichtung:
(1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)
Gewichtung: 3
Verwaltungsgericht
des Kantons Zürich
4. Abteilung
VB.2025.00847
Urteil
der 4. Kammer
vom 30. Juli 2026
Mitwirkend: Abteilungspräsidentin
Tamara Nüssle (Vorsitz), Verwaltungsrichter Marco Donatsch, Verwaltungsrichter
Martin Bertschi, Gerichtsschreiber Matthias Neumann.
In Sachen
1. A,
2. B,
beide
vertreten durch RA C,
Beschwerdeführer,
gegen
Gemeinde Erlenbach,
vertreten durch den Gemeinderat
Erlenbach,
Beschwerdegegnerin,
betreffend Abstimmung über die Teilrevision des privaten
Gestaltungsplans Sigst Süd,
hat sich ergeben:
I.
Die Stimmberechtigten der
Gemeinde Erlenbach beschlossen an der Gemeindeversammlung vom 16. Juni
2025 unter anderem die Geschäfte "Bau- und Zonenordnung, Teilrevision
Richt- und Nutzungsplanung; Umsetzung Einzelinitiative 'Aufhebung öffentlicher
Gestaltungsplan Bahnhofstrasse'
" (Geschäft
Nr. 3, nach der ursprünglichen Traktandierung Nr. 4) und
"Teilrevision privater Gestaltungsplan Sigst Süd" (Geschäft
Nr. 4, ursprünglich Nr. 5). Sie nahmen den Antrag des Gemeinderats
bezüglich der Umsetzung der Einzelinitiative "Aufhebung öffentlicher
Gestaltungsplan Bahnhofstrasse" mit 156 gegen 132 Stimmen und den Antrag
bezüglich der Teilrevision des privaten Gestaltungsplans Sigst Süd durch
Handerheben mit wenigen Gegenstimmen an.
II.
Bereits am 6. Juni 2025 hatten
A und B Stimmrechtsrekurs an den Bezirksrat Meilen erhoben und beantragt, es
sei die Abstimmung über die beiden Geschäfte zu verschieben und die Gemeinde
Erlenbach anzuweisen, die Stimmbevölkerung korrekt zu informieren;
eventualiter, bei Durchführung der Abstimmung, sei diese im Fall eines
zustimmenden Resultats für ungültig zu erklären und nach korrekter Information
zu wiederholen. Die Begründung lautete im Wesentlichen, dass die Unterlagen des
Gemeinderats für die Gemeindeversammlung irreführende Angaben zur baulichen
Ausnützung gemäss dem Gestaltungsplan Sigst Süd enthielten. Mit Beschluss vom
16. Dezember 2025 wies der Bezirksrat Meilen den Rekurs ab, soweit er ihn
nicht als gegenstandslos geworden abschrieb (Dispositiv-Ziff. I f.),
wobei er keine Verfahrenskosten erhob und keine Parteientschädigungen zusprach
(Dispositiv-Ziff. III f.).
III.
Hiergegen erhoben A und B am 19. Dezember
2025 Beschwerde an das Verwaltungsgericht mit den Anträgen, es seien unter
Entschädigungsfolge der Beschluss des Bezirksrats Meilen vom 16. Dezember
2025 und der Beschluss der Gemeindeversammlung Erlenbach vom 16. Juni 2025
betreffend die Teilrevision des Gestaltungsplans Sigst Süd aufzuheben,
eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Mit Eingabe vom 5. Januar
2026 verzichtete der Bezirksrat Meilen auf eine Vernehmlassung. In der
Beschwerdeantwort vom 8. Januar 2026 beantragte die Gemeinde Erlenbach
Abweisung der Beschwerde. In ihrer Replik vom 15. Januar 2026 hielten A
und B an ihren Anträgen fest. Die Gemeinde Erlenbach liess sich hierauf nicht
mehr vernehmen.
Die Kammer
erwägt:
1.
1.1
Das
Verwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen
Rekursentscheide der Bezirksräte in Stimmrechtssachen zuständig
(§§ 41 ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959
[VRG, LS 175.2] in Verbindung mit § 161 Abs. 1 des Gesetzes über
die politischen Rechte vom 1. September 2003 [GPR, LS 161]). Weil
auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
einzutreten.
1.2
Die Vorinstanz
schrieb den Rekurs als gegenstandslos geworden ab, soweit darin die
Verschiebung der beiden Abstimmungen beantragt wurde, und wies ihn im Übrigen
bezüglich beider Geschäfte ab. Wie aus den Anträgen und der Begründung der
Beschwerde klar hervorgeht, betrifft diese ausschliesslich die Teilrevision des
Gestaltungsplans Sigst Süd (Geschäft 4). Entgegen der irrtümlichen Formulierung
des Beschwerdeantrags 1, der angefochtene Beschluss sei
"vollumfänglich" aufzuheben, und der Betreffzeile der Beschwerde wird
der Bezirksratsbeschluss folglich nur insoweit angefochten, als er sich auf die
Teilrevision des Gestaltungsplans Sigst Süd bezieht.
2.
2.1
Die in der
Bundesverfassung verankerte Garantie der politischen Rechte schützt die freie
Willensbildung und die unverfälschte Stimmabgabe ( und 2
der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). Geschützt wird
namentlich das Recht der Stimmberechtigten, weder bei der Bildung noch bei der
Äusserung des politischen Willens unter Druck gesetzt oder in unzulässiger
Weise beeinflusst zu werden (BGE 145 I 282 E. 4.1 mit
Hinweisen). In diesem Sinn gewährleisten die staatlichen Organe gemäss § 6
Abs. 1 GPR, dass die Meinung der Stimmberechtigten zuverlässig und
unverfälscht zum Ausdruck gebracht werden kann, indem sie insbesondere einen
freien und offenen Prozess der Meinungsbildung fördern (lit. a) und eine
von Zwang und unzulässigem Druck freie Stimmabgabe ermöglichen (lit. b).
2.2
Aus Art. 34
Abs. 2 BV wird namentlich eine Verpflichtung der Behörden zu korrekter und
zurückhaltender Information im Vorfeld von Abstimmungen abgeleitet. In Bezug
auf Abstimmungen im eigenen Gemeinwesen kommt den Behörden eine gewisse
Beratungsfunktion zu. Diese nehmen sie mit der Redaktion der
Abstimmungserläuterungen, aber auch in anderer Form wahr. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind behördliche Abstimmungserläuterungen,
in denen eine Vorlage erklärt wird, unter dem Blickwinkel der
Abstimmungsfreiheit zulässig. Die Behörde ist dabei zwar nicht zur Neutralität
verpflichtet und darf eine Abstimmungsempfehlung abgeben , wohl
aber zur Sachlichkeit (zum Ganzen BGE 143 I 78 E. 4.4 mit Hinweisen).
Diesem Erfordernis genügen Abstimmungserläuterungen, wenn die Aussagen darin
wohlabgewogen sind und beachtliche Gründe für diese sprechen, wenn sie ein
umfassendes Bild der Vorlage mit ihren Vor- und Nachteilen abgeben und den
Stimmberechtigten eine Beurteilung ermöglichen oder wenn sie trotz einer
gewissen Überspitzung nicht unwahr und unsachlich bzw. lediglich ungenau und
unvollständig sind. Die Behörde muss sich nicht mit jeder Einzelheit einer
Vorlage befassen und nicht alle denkbaren Einwendungen erwähnen, welche gegen
eine Vorlage erhoben werden können. Im Sinn einer gewissen Vollständigkeit
verbietet das Gebot der Sachlichkeit aber, in den Abstimmungserläuterungen für
den Entscheid der Stimmberechtigten wichtige Elemente zu unterdrücken, für die
Meinungsbildung bedeutende Gegebenheiten zu verschweigen oder Argumente von
gegnerischen Komitees falsch wiederzugeben (BGE 139 I 2 E. 6.2, 138 I
61 E. 6.2; zum Ganzen auch VGr, 25. September 2025, VB.2025.00423,
E. 3.2).
2.3
Diese Grundsätze
gelten auch für Abstimmungen an Gemeindeversammlungen. Gemäss § 19 Abs. 1
des Gemeindegesetzes vom 20. April 2015 (GG, LS 131.1) hat der
Gemeinderat im Hinblick auf die Gemeindeversammlung einen Beleuchtenden Bericht
zu verfassen, welcher in der gebotenen Kürze über alle für die Entscheidung
wesentlichen Gesichtspunkte informiert, sachlich abgefasst und gut verständlich
ist (Alain Griffel in: Tobias Jaag/Markus Rüssli/Vittorio Jenni [Hrsg.],
Kommentar zum Zürcher Gemeindegesetz, 2. A., Zürich/Genf 2025, § 19
GG N. 7 ff.). Nach § 19 Abs. 1 GG in Verbindung mit
§ 64a lit. a, b und d GPR hat dieser Bericht die wesentlichen Vor-
und Nachteile der Vorlage, die Anträge der Exekutivorgane und der
Rechnungsprüfungskommission sowie bei Einzelinitiativen die Stellungnahme der
Initiantin oder des Initianten zu enthalten.
3.
3.1
Hintergrund der
vorliegenden Streitsache ist die Annahme einer Einzelinitiative in Form der
allgemeinen Anregung mit dem Titel "Aufhebung öffentlicher Gestaltungsplan
Bahnhofstrasse" an der Urnenabstimmung vom 19. November 2023. Die
Initiative wandte sich gegen die Verdichtungsmöglichkeiten, welche dieser
Gestaltungsplan zuliess. Die Umsetzungsvorlage betreffend die Aufhebung des
öffentlichen Gestaltungsplans Bahnhofstrasse hatte grundsätzlich die neuerliche
Geltung der Regelbauweise in diesem Gebiet zur Folge (Zone WG4/70, d.
h. Wohnzone viergeschossig mit Gewerbeerleichterung sowie
einer Ausnützungsziffer von 70 %; vgl. Art. 1 und 17 der Bau- und
Zonenordnung der Gemeinde Erlenbach vom 25. September 1995 [BZO]).
Innerhalb des Gestaltungsplangebiets lag das Gebiet des privaten
Gestaltungsplans Sigst Süd, in Kraft seit 31. August 2019. Weil dieser
private Gestaltungsplan auf verschiedene Bestimmungen des öffentlichen
Gestaltungsplans Bezug nahm, wurde er revidiert, um die betreffenden Inhalte
direkt in seinen Bestimmungen zu verankern.
3.2
Die
Beschwerdeführenden machen geltend, "dass die Abstimmungsunterlagen die
Tatsache verdeckten, dass abweichend von der mit der Initiative angestrebten
Regelbauweise eine massiv erhöhte Baudichte zulässig werden soll". Die
veröffentlichten Unterlagen hielten fälschlicherweise fest, dass der private
Gestaltungsplan Sigst Süd lediglich ca. 20 % mehr Nutzfläche zulasse
als bei einer Arealüberbauung nach . (Entgegen den Äusserungen
der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren findet sich diese Angabe weder im
Beleuchtenden Bericht vom 18. März 2025 noch im Erläuternden Bericht
gemäss
zur Teilrevision Privater Gestaltungsplan Sigst Süd vom 4. März 2025
[Erläuternder Bericht 2025], sondern im Bericht zu den Einwendungen vom 4. März
2025.) Der Vergleich mit einer Arealüberbauung sei unzulässig, weil die
massgebliche Fläche im Perimeter des Gestaltungsplans Sigst Süd mit 5'432 m
die vorausgesetzte Arealfläche von 6'000 m
nicht
erreiche. Es sei die Ausnützungsziffer von 110 % gemäss Gestaltungsplan
Sigst Süd mit der Ausnützungsziffer von 70 % gemäss der Regelbauweise für
die Zone WG4/70 zu vergleichen; somit betrage die Ausnützungssteigerung 57 %.
Betrachte man die Ausnützung, sei diese entgegen der Beschwerdegegnerin
aufgrund der Geschossfläche gemäss § 255 des Planungs- und Baugesetzes vom
7. September 1975 (PBG, LS 700.1) zu berechnen und nicht aufgrund der
Gesamtnutzfläche nach , aber selbst wenn
massgeblich wäre, betrage die Ausnützungssteigerung immer noch beinahe 30 %.
Dies komme einer klaren Irreführung der Stimmberechtigten gleich, weshalb der
angefochtene Beschluss der Gemeindeversammlung aufzuheben sei.
4.
4.1
Die Beschwerde
wird damit begründet, dass die Ausführungen des Gemeinderats zuhanden der
Gemeindeversammlung aus planungsrechtlicher Sicht nicht zuträfen. Im Rahmen der
vorliegenden Stimmrechtsbeschwerde ist allerdings nicht der Gestaltungsplan
Sigst Süd auszulegen, wie es bei dessen Genehmigung (§ 89 PBG) oder
Anwendung zu geschehen hätte. Vielmehr ist zu prüfen, ob die Angaben des
Gemeinderats den Stimmberechtigten eine freie und unverfälschte Willensbildung
ermöglichten, indem sie insgesamt wohlabgewogen und umfassend waren und auf
beachtlichen Gründen beruhten (vgl. im Einzelnen E. 2.2). Massstab der
Prüfung ist also . Diesen Massstab hat auch die Vorinstanz
korrekt angewendet; entgegen der auf eine einzelne, missverstandene
Formulierung gestützten Rüge der Beschwerdeführer zeigen ihre Ausführungen,
dass sie sich nirgends auf eine Willkürprüfung beschränkt hat.
4.2
4.2.1
Die
Beschwerdeführer bringen zunächst vor, ein Vergleich mit der Arealüberbauung
sei unzulässig. Dem ist nicht zu folgen. Zwar trifft zu, dass Arealüberbauungen
in der Zone WG4/70 eine minimale Arealgrösse von 6'000 m
voraussetzen
(), während die massgebliche Fläche im Perimeter
des Gestaltungsplans Sigst Süd nur 5'432 m
beträgt (vgl.
Art. 5 Abs. 3 und Ziff. 6 Abs. 2 der Bestimmungen des
privaten Gestaltungsplans Sigst Süd in der angefochtenen, am 16. Juni 2025
von der Gemeindeversammlung genehmigten Fassung [GPV]; § 8 der Allgemeinen
Bauverordnung vom 22. Juni 1977 [LS 700.2] in Verbindung mit § 69
und § 259 PBG). Diese Fläche ist jedoch nicht ausschlaggebend, wenn es
gilt, die Ausnützungsmöglichkeiten gemäss dem Gestaltungsplan mit denjenigen
nach der Grundordnung zu vergleichen: Die Grundordnung ist gerade unabhängig
vom Bestehen des Gestaltungsplans. Wenn kein Gestaltungsplanperimeter bestünde,
müsste sich eine Arealüberbauung offensichtlich nicht auf diesen beschränken.
Hier ist eine Arealüberbauung auch auf an den Perimeter anschliessendem Gebiet
zulässig (vgl. §§ 69 ff. PBG; ), sodass eine
übergreifende Arealüberbauung möglich wäre. Der Heranzug der Bestimmungen über
die Arealüberbauung für den Vergleich ist daher korrekt.
4.2.2
Gemäss
beträgt die Ausnützungsziffer maximal 110 %.
Dagegen sieht für die Zone WG4/70 im Fall einer
Arealüberbauung eine maximale Ausnützungsziffer von 92 % vor, womit der
Gestaltungsplan eine Ausnützungssteigerung von knapp 20 % ermöglicht. Das
entspricht der Angabe im Bericht zu den Einwendungen (S. 6).
4.3
Die
Beschwerdeführer machen sodann sinngemäss geltend, die Angabe einer
Ausnützungssteigerung von knapp 20 % erweise sich auch deshalb als
irreführend, weil die Berechnung der Ausnützung gemäss Gestaltungsplan
korrekterweise nicht auf der Gesamtnutzfläche, sondern auf der Geschossfläche
zu beruhen habe und sich daraus eine weit höhere Ausnützungssteigerung ergebe.
4.3.1
Beschwerdegegnerin
und Vorinstanz argumentieren wie folgt: lege die
zulässige Gesamtnutzfläche im Sinn von für die einzelnen
Baubereiche des Gestaltungsplangebiets fest. Ausgehend von der
Ausnützungsziffer von 110 % und der massgeblichen Grundfläche nach
§ 259 PBG werde zunächst die anrechenbare Geschossfläche im Sinn von
§ 255 PBG bestimmt und hierauf die zulässige maximale Gesamtnutzfläche.
Diese ergebe sich, indem für das Dachgeschoss 70 % einer
Vollgeschossfläche hinzugerechnet bzw. mit 4,7 Vollgeschossen gerechnet werde
(Privater Gestaltungsplan Sigst Süd, Erläuternder Bericht gemäss Art. 47
RPV vom 11. Februar 2019 [Erläuternder Bericht 2019], S. 30). Die so
bestimmte maximal zulässige Gesamtnutzfläche belaufe sich auf 7'018 m
was rund 129 % der massgeblichen Grundfläche nach § 259 PBG
(5'432 m
) entspreche. In diesem Sinn wurden auch die
Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom 16. Juni 2025 informiert
(Protokoll, S. 10).
4.3.2
Die
Beschwerdeführer bezeichnen diese Auslegung als rechtsverletzend. Die
anrechenbare Geschossfläche sei nach § 255 PBG zu berechnen. Die
Gesamtnutzfläche nach diene gemäss der Bau- und Zonenordnung
lediglich der Berechnung der Wohnanteile, der Spiel- und Ruheflächen und der
Parkplatzzahlen. Aufgrund der zulässigen anrechenbaren Ausnützung von 110 %
zuzüglich der privilegierten (d.
h. nicht
anrechenbaren) Geschossflächen gemäss § 255 Abs. 3 PBG im Umfang von
55 % ergebe sich eine nutzbare Geschossfläche von 165 %.
4.3.3
Der
Gestaltungsplan ist eine die Grundordnung derogierende Spezialbauordnung (VGr,
28. April 2022, VB.2021.00038, E. 4.2.3). Er kann die Ausnützung also
auf andere Weise als die Grundordnung festlegen. Das Planungs- und Baugesetz
verwendet den Begriff der Gesamtnutzfläche nicht, was den Gemeinden einen
Ermessensspielraum bei dessen Verwendung und Auslegung eröffnet. Beim
Instrument der in Gestaltungsplänen oft anzutreffenden Gesamtnutzfläche handelt
es sich um eine weitere Möglichkeit, die zulässige Überbaubarkeit einer
Parzelle festzulegen. Die Gesamtnutzfläche unterscheidet sich in der Praxis
üblicherweise darin von der Ausnützungsziffer, dass sie einerseits nicht auf
die Grundstücksfläche bezogen ist, sondern die zulässige Ausnützung in
Quadratmetern festlegt, und anderseits die anrechenbaren Flächen in sämtlichen
Geschossen, auch in den oftmals bei der Berechnung der Ausnützungsziffer
privilegierten Ober- und Untergeschossen, einbezieht. Somit steht es der
Beschwerdegegnerin frei, die Gesamtnutzfläche als Kennziffer in ihren
Gestaltungsplanbestimmungen zu verwenden und diese abweichend von der Geschossfläche
nach § 255 PBG zu berechnen (zum Ganzen VGr, 27. Oktober 2021,
VB.2021.00089, E. 4.3 und 4.3.1 f.).
4.3.4
Gemäss dem
Wortlaut der Marginalie regelt die Ausnützung,
wobei sich aus dem Erläuternden Bericht 2019 (S. 30) ergibt, dass diese
nicht nach § 255 PBG zu berechnen ist, sondern dass die Gesamtnutzfläche
massgebend ist. Dies wird gestützt durch die Ausführungen zum Zweck und zu den
Auswirkungen, wonach unter anderem die massgebliche Grundfläche nach § 259
PBG und die zulässige Gesamtnutzfläche nach festzulegen sind
bzw. festgelegt wurden, und wo die anrechenbare Geschossfläche nach § 255
PBG nicht erwähnt wird (Erläuternder Bericht 2019, S. 24 und 37). Dass die
Bau- und Zonenordnung in verschiedenen Bestimmungen zur Regelung anderer
Kennzahlen ebenfalls auf die Gesamtnutzfläche verweist, spricht nicht dagegen.
Somit ist den Beschwerdeführern nicht zu folgen.
4.3.5
Der vom
Gemeinderat beauftragte Ortsplaner verglich an der Gemeindeversammlung die
zulässige Gesamtnutzfläche gemäss Gestaltungsplan Sigst Süd von 129 % der
massgeblichen Grundfläche mit derjenigen der Wohnzone WG4/70 bei Regelbauweise,
die er mit 105 % bezifferte, woraus sich eine reale Nutzungssteigerung von
22,8 % ergebe (Protokoll, S. 10). Die Beschwerdegegnerin führt in der
Beschwerdeantwort zudem aus, dass die Gesamtnutzfläche bei einer Arealüberbauung
115,5 % betragen könnte, woraus eine Nutzungssteigerung von nur 11,7 %
resultiere. Diese Zahlen ergeben sich aus Art. 17 lit. b und
sowie § 255 Abs. 3 (in Verbindung mit
§ 49a Abs. 2) PBG. Dagegen ist nicht nachvollziehbar, wie die
Beschwerdeführer bei Regelbauweise eine Gesamtnutzfläche von 99,75 % der
massgeblichen Grundfläche errechnen.
4.4
Insgesamt sind die
Ausführungen, die vom Gemeinderat bzw. in seinem Namen gemacht wurden,
widerspruchsfrei, nachvollziehbar und mit den Rechtsgrundlagen vereinbar. Die
von den Beschwerdeführern monierten Fehler sind nicht erkennbar. Eine
Irreführung der Stimmberechtigten über das Ausmass der Ausnützung ist nicht
gegeben.
4.5
Dasselbe gilt in
Bezug auf die Einhaltung der planungsrechtlichen Grundordnung. Ein
Sondernutzungsplan darf die Grundordnung nicht ihres Sinngehalts entleeren (BGE 149 II 79
E. 4.5; 135 II 209 E. 5.2). Es bestehen keine
Anhaltspunkte, dass dies hier allein aufgrund der Nutzungssteigerung von rund 20 %
gegenüber der Grundordnung der Fall wäre (vgl. BGr, 4. September 2020,
1C_222/2019, E. 5.4.1 [wo eine Nutzungssteigerung von 20 % als mässig
bezeichnet wurde] und 15. April 2013, 1C_429/2012, E. 6.2.3).
4.6
Zudem ergibt sich
aus den weiteren Umständen, dass die Stimmberechtigten umfassend und korrekt
informiert wurden: Bei den Geschäften 3 und 4 der Gemeindeversammlung vom 16. Juni
2025 handelte es sich um die Vorlagen zur Umsetzung der an der Urne
angenommenen Einzelinitiative "Aufhebung öffentlicher Gestaltungsplan
Bahnhofstrasse". Der Gestaltungsplan Sigst Süd wurde nicht neu
beschlossen; mit der streitigen Vorlage beantragte der Gemeinderat vielmehr,
dass entgegen der Einzelinitiative dieser private Gestaltungsplan weiterhin in
Kraft bleiben und nur soweit geändert werden sollte, als es die Aufhebung des
öffentlichen Gestaltungsplans Bahnhofstrasse erforderte. Nur schon aufgrund
dieser Ausgangslage war für die Stimmberechtigten offensichtlich, dass im
Bereich des Gestaltungsplans Sigst Süd die Weitergeltung der bisherigen
besonderen Regelung beantragt wurde, die eine höhere Ausnützung im Vergleich
zur Grundordnung vorsah. Dies ergibt sich auch aus der Diskussion an der
Gemeindeversammlung, in welcher die verbleibende höhere Ausnützung im
Gestaltungsplangebiet Sigst Süd besprochen wurde; so brachte ein Votant
ausdrücklich vor, dass der Gestaltungsplan eine Ausnützungsziffer von 110 %
gegenüber derjenigen der Grundordnung von 70 % vorsehe, und folgerte, dass
die von manchen befürchteten "Hochhäuser [...] dann im Sigst Süd
entstehen" würden (Protokoll, S. 15 f.). Vor der Beratung des
Geschäfts Nr. 3 ging der vom Gemeinderat beauftragte Ortsplaner sodann
detailliert auf die Berechnung der Ausnützungssteigerung im damals hängigen
Rekurs ein, welcher er die Berechnung des Gemeinderats gegenüberstellte
(Protokoll, S. 10). Die Stimmberechtigten wurden also nicht nur über die
Zahlen des Gemeinderats informiert, sondern auch darüber, dass und mit welcher
Begründung diese bestritten wurden. Detailliertere Angaben zur Ausnützung waren
nicht nötig.
5.
5.1
Die
Beschwerdeführer bringen zwar vor, dass die Abstimmungsvorlage inhaltlich
höherrangigem Recht widerspreche, weil der Gestaltungsplan Sigst Süd mit der
Grundordnung unvereinbar sei. Sie leiten daraus jedoch zu Recht keine
Verletzung des Stimmrechts ab (vgl. VGr, 11. Dezember 2025, VB.2025.00665,
E. 2). Im Übrigen wurde diese Frage bereits sinngemäss verneint
(E. 4.5).
5.2
Die
Beschwerdeführer machen auch nicht klar genug eine Verletzung in ihren
politischen Rechten geltend, weil die Einzelinitiative "Aufhebung
öffentlicher Gestaltungsplan Bahnhofstrasse" nicht rechtmässig umgesetzt
worden sei, indem innerhalb des Gestaltungsplanperimeters der private
Gestaltungsplan Sigst Süd aufrechterhalten wurde. Insofern ist immerhin
einerseits festzuhalten, dass die Initiative die Aufhebung nicht des
Gestaltungsplans Sigst Süd, sondern nur der damals bestehenden Gestaltungsplanpflichten
forderte (Erläuternder Bericht 2025, S. 6 f.). Es ist ihr also nicht
eindeutig zu entnehmen, dass sie auch für das Gebiet des Gestaltungsplans Sigst
Süd die Rückkehr zum Status quo ante verlangte. Anderseits gilt, dass nicht
ausformulierte Initiativen zwar gemäss ihrem Regelungsgehalt umzusetzen sind,
bei der Umsetzung aber auf grösstmögliche Vereinbarkeit mit dem höherrangigen
Recht zu achten ist (BGE 143 I 361 E. 3.3,
141 I 186 E. 5.3). Die Aufrechterhaltung des Gestaltungsplans
Sigst Süd wurde sinngemäss mit dem übergeordneten Recht begründet: Das Amt für
Raumentwicklung stellte sich bei der Vorprüfung der Umsetzungsvorlagen auf den
Standpunkt, dass das "Einverständnis der Grundeigentümer" für eine
Aufhebung oder Abänderung des Gestaltungsplans Sigst Süd zwingend erforderlich
sei. Die Grundeigentümer lehnten eine Aufhebung ab (Erläuternder Bericht 2025,
S. 7 f.). Zutreffend ist jedenfalls, dass gemäss dem kantonalen Recht
eine Aufhebung oder Änderung eines privaten Gestaltungsplans durch
Mehrheitsbeschluss wenn überhaupt nur dann zustande kommen kann, wenn die
Grundeigentümer zustimmen, denen mindestens zwei Drittel der einbezogenen
Flächen gehören, und die schutzwürdigen Interessen der anderen Grundeigentümer
nicht verletzt werden (vgl. § 85 Abs. 2 PBG; VGr, 23. Januar 2003,
VB.2002.00354, E. 2 f. [BEZ 2003 Nr. 3]; Peter Bösch,
Gestaltungsplan Änderung und Aufhebung, PBG aktuell 2014/4,
S. 51 ff., 52 f.; differenzierend Michael Steiner/Thomas Wipf
in: Christoph Fritzsche et al. [Hrsg.], Zürcher Planungs- und Baurecht,
7. A., Wädenswil 2024, Band 1, S. 235 f.). Entsprechend bestehen
keine Anzeichen, dass die Aufrechterhaltung des privaten Gestaltungsplans Sigst
Süd rechtswidrig wäre.
Die Beschwerde ist folglich
abzuweisen.
6.
In Stimmrechtssachen werden den
Parteien nach § 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 4 VRG
in der Regel keine Gerichtskosten auferlegt, weshalb diese auf die
Gerichtskasse zu nehmen sind. Ausgangsgemäss ist den Beschwerdeführern keine
Parteientschädigung zuzusprechen (§ 17 Abs. 2 VRG).
Demgemäss erkennt die Kammer:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Die
Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 2'000.--; die übrigen Kosten betragen:
Fr. 95.--
Zustellkosten,
Fr. 2'095.--
Total der Kosten.
3. Die Gerichtskosten werden auf die Gerichtskasse
genommen.
4. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.
5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des
Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen,
von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14 einzureichen.
6. Mitteilung
an:
a) die Parteien;
b) den Bezirksrat Meilen.
Referenzen
Bestimmungsliste
- VB.2025.00847Abstimmungsinformationen zur Gestaltungsplanrevision