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VR1 2025 73

GR Gerichte

Wirtschaft

Preisgewichtung bei Winterdienstvergabe

Veröffentlicht am 27. August

Entschieden am 12. August

Der Volltext wird in der Originalsprache angezeigt (Deutsch).

Obergericht des Kantons Graubünden
Dretgira superiura dal chantun Grischun
Tribunale d'appello del Cantone dei Grigioni
Urteil vom 19. August 2026
mitgeteilt am 21. August 2026
Referenz
VR1 25 73
Instanz
Erste verfassungs- und verwaltungsrechtliche Kammer
Besetzung
Audétat, Vorsitz
Pedretti und von Salis
Maurer, Aktuarin
Parteien
A._____
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Lorenz Raschein
gegen
B._____
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Peder Cathomen
C._____
Beigeladene
Gegenstand
Submission
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Sachverhalt
A.
Mit publiziertem Urteil BGE 152 II 325 vom 4. September 2025 hiess das
Bundesgericht die gegen das Urteil des früheren Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden U 23 54 erhobene Beschwerde der A._____ in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten gut, soweit es darauf eintrat. Das Urteil U 23 54 des Verwaltungs-
gerichts des Kantons Graubünden vom 24. Oktober 2023 wurde aufgehoben und
die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück-
gewiesen. Auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde trat das Bundesgericht nicht
ein. Es wurden keine Kosten erhoben. Aussergerichtlich hatte die B._____
(Vergabebehörde) die Beschwerdeführerin mit CHF 3'000.00 zu entschädigen.
Begründend brachte das Bundesgericht zusammenfassend vor, es habe sich bisher
nicht ausführlich dazu geäussert, wie es sich mit der Anfechtbarkeit der
Ausschreibungsunterlagen im Einladungsverfahren unter der Geltung der neuen
IVöB verhalte (E. 1.1.4). Da die Einladung zur Offerteinreichung nicht als
Ausschreibung im Sinne von gelte und die Ausschreibungs-
unterlagen kein selbständig anfechtbares Beschwerdeobjekt darstellten, könnten
die (potentiellen) Anbieterinnen gegen Anordnungen in den Ausschreibungs-
unterlagen auch nicht innert 20 Tagen nach Erhalt der Einladung ein Rechtsmittel
ergreifen (vgl. ). Es fehle in diesem Zeitpunkt am zulässigen
Beschwerdeobjekt gemäss . Beanstandungen von allfälligen
Mängeln in den Ausschreibungsunterlagen könnten folglich im Einladungsverfahren
erst im Rechtsmittel gegen das nächste zulässige Beschwerdeobjekt vorgetragen
werden (E. 3.3.2). Die Vorinstanz habe verletzt, indem sie der
Beschwerdeführerin angelastet habe, nicht innert 20 Tagen nach Erhalt der
Einladung zur Offerteinreichung gegen die Gewichtung des Zuschlagskriteriums
«Preis» in den Ausschreibungsunterlagen ein Rechtsmittel erhoben zu haben
(E. 3.4). Unbesehen der potentiellen Erkennbarkeit des allfälligen Mangels in den
Ausschreibungsunterlagen sei es der Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen,
dagegen vorzugehen, da es im Zeitpunkt des Erhalts der Einladung zur Offert-
einreichung am zulässigen Beschwerdeobjekt gemäss gefehlt habe
(E. 3.4.1). Nach dem Dargelegten habe die Vorinstanz zu Unrecht die Rüge der zu
tiefen Gewichtung des Zuschlagskriteriums «Preis» nicht zugelassen und nicht
geprüft, womit sich die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten in
diesem Punkt als begründet erweise. Die Angelegenheit sei an die Vorinstanz
zurückzuweisen, damit diese die Prüfung der Rüge der unrechtmässigen
Gewichtung der Zuschlagskriterien in einem zweiten Rechtsgang vornehme
(E. 3.5).
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B.
Mit Verfügung vom 29. Oktober 2025 teilte der Vorsitzende der Ersten
verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Kammer des Obergerichts des Kantons
Graubünden den Parteien mit, dass das Bundesgericht mit Urteil 2C_657/2023 die
Beschwerde der A._____ gutgeheissen und das Urteil des früheren Verwaltungs-
gerichts U 23 54 vom 24. Oktober 2023 aufgehoben habe. Es wurde den Parteien
Gelegenheit eingeräumt, vor dem Hintergrund des erwähnten Urteils des Bundes-
gerichts mit Blick auf das neu zu fällende Urteil dem Obergericht bis zum
19. November 2025 eine Vernehmlassung einzureichen mit Schwerpunkt auf der
Frage der Zulässigkeit der Gewichtung des Zuschlagskriteriums «Preis». Überdies
war dem Gericht darzulegen, ob der Vertragsschluss in der strittigen Vergabesache
inzwischen erfolgt war oder nicht.
C.
Mit Stellungnahme vom 19. November 2025 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher Kosten- und
Entschädigungsfolge. In sachverhaltlicher Hinsicht verwies sie auf die Vereinbarung
mit der Beigeladenen vom _____ betreffend die Schneeräumungsarbeiten,
D._____, für fünf Jahre ab Winter 2023/2024 für die Dauer der Gerichtsverfahren
bis zur Rechtskraft des Zuschlagsentscheides vom 5. Juni 2023. Begründend führte
die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aus, dass ein Zuschlag an die
Beschwerdeführerin nur noch für die Restlaufzeit bis Winter 2027/2028 möglich sei.
Gegenstand des Verfahrens vor dem Obergericht könne lediglich nur mehr sein, ob
ein Zuschlag an die Beschwerdeführerin für die Restlaufzeit rechtens wäre. In
diesem Sinne seien deren Rechtsbegehren zu modifizieren bzw. könne teilweise
auf sie nicht eingetreten werden. Soweit die Beschwerdeführerin den Zuschlag für
die Zeit von Winter 2023/2024 bis Winter 2027/2028 verlange, werde die Abweisung
der Beschwerde beantragt. Die Beschwerdeführerin moniere, dass die Vergabe-
behörde das Zuschlagskriterium «Preis» zu schwach gewichtet habe. Unzählige
Beschädigungen, Verzögerungen bei der Ausführung der Räumungsarbeiten und
dergleichen in den letzten Jahren hätten Diskussionen mit Gästen und Einhei-
mischen, mühsame Eruierungen von Schadensverursachern und Diskussionen mit
Haftpflichtversicherungen ausgelöst. Dies habe beim Gemeindevorstand zur
Überzeugung geführt, dass unter dem Strich bei mehrjährigen Verträgen über die
Schneeräumung die Qualität der Ausführung und die Verlässlichkeit der Anbieter
mehr zählten als der Preis. Die Vorteile dieser Betrachtungsweisen basierten auf
der Tatsache, dass ein gutes Angebot mit verlässlichem Partner weniger Zeit raube
und damit weniger Kosten verursache als ein billiges Angebot. Die Beschwerde-
gegnerin hielt weiter fest, dass die beschwerdeweise geltend gemachte
Rechtsprechung
gemäss
Urteil
des
Bundesgerichts
2C_802/2021
vom
24. November 2022 nicht unbesehen auf den vorliegenden Sachverhalt übertragen
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werden könne, habe es sich dort um eine weitgehend standardisierte Leistung
gehandelt. Hingegen könne bei den hier zu beurteilenden Winterdienstarbeiten
nicht von einem einfachen Auftrag ausgegangen werden. Hier gehe es darum, ein
Angebot für fünf Wintersaisons für eine bestimmte Fläche auszuarbeiten,
beinhaltend die Vorbereitungsarbeiten, die Organisation der Ausführung und die
Ausführung selbst. Es gehe vorliegend um kompliziertere Vorgänge als die
einmalige oder sporadische Räumung eines Garagenvorplatzes oder einer Privat-
strasse. Um ein qualitativ befriedigendes Produkt zu garantieren, das mehrere
Arbeitsgänge umfasse, seien höhere Anforderungen an Kalkulation, Organisation
und Ausführung zu stellen. Es sei von einer anspruchsvollen, zahlreiche Arbeits-
gänge umfassenden Leistung auszugehen, die viele Fehlerquellen für die
Anbieterin und Ausführende aufweise. Damit gehe es nicht um eine standardisierte,
einfache Leistung, weder von der Problemstellung, noch von der Ausführung her.
Gerade die Tatsache, dass sich der Auftrag über mehrere Jahre hinziehe und der
Erfolg von mannigfachen Voraussetzungen abhänge, rechtfertige, von einem
komplexen Auftrag auszugehen. Um das vorteilhafteste Angebot zu eruieren, seien
deshalb die Qualität des Anbieters und die Qualität des Angebots verhältnismässig
hoch, der Preis hingegen verhältnismässig tief zu gewichten. Dem Preis verbleibe
bei einer Gewichtung von rund einem Drittel dennoch ein beträchtliches Gewicht.
Unter den gegebenen Umständen, den Erfahrungen der letzten Jahre und in
Berücksichtigung aller Interessen sei die Gewichtung des Preises im Rahmen des
Ermessens und in Berücksichtigung der Vorgaben des geltenden Submissions-
rechts vorgenommen worden. Damit erweise sich die Rüge der falschen
Gewichtung des Preises als ungerechtfertigt. In Bezug auf die übrigen Rügen
verwies die Beschwerdegegnerin auf das bereits Ausgeführte im Rahmen des
Schriftenwechsels. Sie hielt abschliessend fest, sollte die Beschwerde wider
Erwarten gutgeheissen werden, könne ein Zuschlag nicht durch das Gericht
erfolgen, da Diverses abzuklären sei.
D.
Mit ihrer Vernehmlassung vom 19. November 2025 beantragte die
Beschwerdeführerin, die angefochtene Verfügung vom _____ sei aufzuheben und
ihr der Zuschlag für den Winterdienst sowie die Schneeräumung D._____ zu
erteilen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung vom _____ aufzuheben und
die Angelegenheit zur Neuvergabe an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MWST zulasten der Beschwerde-
gegnerin. Die Beschwerdeführerin hielt an sämtlichen Ausführungen der
Beschwerde vom 10. Juli 2023, der Replik vom 31. August 2023 und der Triplik vom
12. Oktober 2023 vollumfänglich fest. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen
vor, gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei bei einfachsten
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Vergaben der Preis bei den Zuschlagskriterien mit mindestens 60 % zu gewichten
(Urteil des Bundesgerichts 2C_802/2021 vom 24. November 2022 E. 3.9). Die
vorliegende Preisgewichtung einer standardisierten Vergabe von 30 % unter-
schreite die bundesgerichtliche Untergrenze von 60 % und sei damit willkürlich.
Aufgrund der Rückweisung der Sache durch das Bundesgericht zur Behandlung
dieser materiell klaren Frage bestehe keine andere rechtliche Möglichkeit als die
Gutheissung der Beschwerde. Es bestehe kein submissionsrechtlicher Spielraum,
der eine andere Würdigung zulassen würde. Im vorliegenden Fall lägen keine
Anhaltspunkte vor, um von einer einfachen Vergabe abzuweichen. Winterdienst-
arbeiten seien klassischerweise standardisierte Beschaffungen, die eine Gewich-
tung von 60 % rechtfertigten. Das ehemalige Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden habe bereits festgehalten, dass es sich beispielsweise bei der
Beschaffung von Pistenfahrzeugen um eine weitgehend standardisierte Vergabe
handle, welche die Anwendung der Preisuntergrenze von 60 % rechtfertige (PVG
2019 Nr. 17 E. 2.2.7). Es sei in einem älteren Entscheid sogar davon ausgegangen,
dass die Vergabe von Schneeräumungsarbeiten sogar ausschliesslich gestützt auf
den Preis zulässig sei (U 06 87 vom 5. Oktober 2006 E. 4a). Nichts anderes könne
für die Ausschreibung von Winterdienstarbeiten gelten. Trotz Paradigmenwechsel
müsse das vorteilhafteste Angebot bei standardisierten Vergaben auch das
günstigste sein. Werde eine korrekte Gewichtung des Preises mit 60 %
vorgenommen, erzielte sie 300 Punkte, womit sich ihr um rund 6 % günstigeres
Angebot in der Höhe von CHF 106'089.90 inkl. MWST als das vorteilhafteste
Angebot erwiese. Sie obsiegte aber auch, wenn sie infolge einer 50%-Gewichtung
«nur» 250 Punkte erhielte.
E.
Mit Schreiben vom 1. Dezember 2025 verzichtete die Beschwerdegegnerin
unter Hinweis auf das bereits Ausgeführte auf eine weitere Stellungnahme.
F.
Mit Stellungnahme vom 5. Dezember 2025 hielt die Beschwerdeführerin an
den bisherigen Rechtsbegehren und Ausführungen fest. Subenventualiter
beantragte sie – wie bereits in der Beschwerde vom 10. Juli 2023 – es sei die
Rechtswidrigkeit der angefochtenen Verfügung festzustellen (Ziff. 3). Ergänzend
führte die Beschwerdeführerin aus, die mit der Beigeladenen abgeschlossene
Vereinbarung räume der Gemeinde explizit die Möglichkeit ein, im Falle der
Aufhebung des Zuschlags die Schneeräumungsarbeiten für die Winter 2026/2027
und 2027/2028 an die Beschwerdeführerin zu vergeben. Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens bilde die Zuschlagserteilung durch das Obergericht oder die
Feststellung der Rechtswidrigkeit der Vergabe. Die Verbindlichkeit der Offerten
verlängere sich gemäss Ziff. 1.18 der Ausschreibungsunterlagen bis zur Rechtskraft
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des Beschwerdeentscheides, weshalb das Obergericht im Falle einer Gutheissung
reformatorisch entscheiden könne. Sie sei bereit und in der Lage, Winterdienst-
arbeiten in den kommenden Jahren 2026/2027 und 2027/2028 durchzuführen. Die
Preisberechnung gestalte sich denkbar einfach, diese betrage bei einer zwei-
jährigen Laufzeit noch CHF 42'435.96 (CHF 106'089.90 / 5 x 2). Die Beschwerde-
führerin behielt sich die Bezifferung von Schadenersatzansprüchen gemäss Art. 58
Abs. 3 und ausdrücklich vor.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, die angefoch-
tene Vergabeverfügung vom _____ sowie auf die eingereichten Beweismittel wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen
1.1.
Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-
legenheiten ganz oder teilweise gut, kann es reformatorisch entscheiden, also in
der Sache selbst Anordnungen treffen, oder aber kassatorisch, also den angefoch-
tenen Entscheid nur aufheben oder die Angelegenheit an die Vorinstanz oder an
die erstinstanzlich verfügende Behörde zur Neubeurteilung zurückweisen (Art. 107
Abs. 2 BGG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege
des
Bundes,
3. Aufl.
2013,
Rz. 1640;
DORMANN,
in:
Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler
[Hrsg.],
Basler
Kommentar
zum
Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, Art. 107 Rz. 12 ff.). Bei einer Rückweisung
sind die Vorgaben und Anweisungen des Bundesgerichts für die Vorinstanz verbind-
lich
(vgl.
BGE 143 IV 214
E. 5.3.3
m.H.a.
BGE 135 III 334
E. 2.1;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1643; DORMANN, a.a.O., Art. 107 Rz. 18). Nach
der verbindlichen Anweisung des Bundesgerichts (Ziff. 2 Urteilsdispositiv) hat das
Obergericht des Kantons Graubünden eine Neubeurteilung im Sinne der
Erwägungen vorzunehmen.
1.2.
Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die
gestützt auf den Beschluss des Gemeindevorstandes E._____ vom _____
ergangene Vergabeverfügung (Entscheid) vom _____ (vgl. act. B.3 und act. C.10
im Verfahren U 23 54), worin die Beschwerdegegnerin die Winterdienstarbeiten und
die Schneeräumung D._____ an die vorteilhafter anbietende Zuschlags-
empfängerin (Beigeladene) und nicht an die zweitrangierte Anbieterin (Beschwerde-
führerin) vergab, wogegen letztere am 10. Juli 2023 Beschwerde beim früheren
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhob und darin u.a. die Aufhebung
der angefochtenen Vergabeverfügung sowie den Zuschlag für den Winterdienst und
die Schneeräumung D._____ an sich selbst beantragte. Am 5./8. Februar 2024
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schlossen die Beschwerdegegnerin und die Beigeladene eine Vereinbarung
betreffend die Schneeräumungsarbeiten, D._____, für fünf Jahre ab Winter
2023/2024, gültig bis zum rechtskräftigen Abschluss der Gerichtsverfahren
betreffend den Zuschlagsentscheid vom 5. Juni 2023 (vgl. act. C.1 im Verfahren
VR1 25 73). Da der Vertrag mit der Beigeladenen betreffend die streitbetroffenen
Winterdienstarbeiten bereits abgeschlossen wurde, kann auf den Beschwerde-
antrag der Beschwerdeführerin, soweit er die Aufhebung der angefochtenen
Zuschlagsverfügung und den Zuschlag an sich selbst für die Winterdienstarbeiten
2023/2024 bis 2025/2026 betrifft, nicht eingetreten werden (vgl. BGE 137 II 313
E. 1.2.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_42/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 1.7.1,
2D_36/2016 vom 27. März 2018 E. 1.3 und 2C_384/2016 vom 6. März 2017
E. 1.3.1). Hingegen kann die Beschwerdeführerin, die mit einer Offerte am
Einladungsverfahren teilgenommen hat und als Zweitklassierte nicht berücksichtigt
worden ist, diesbezüglich die Feststellung der Rechtswidrigkeit des Zuschlags
beantragen. Dies erlaubt ihr gegebenenfalls die Geltendmachung von Schaden-
ersatz (vgl. und [BR 803.710]; vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_42/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 1.7.3; vgl. auch Vernehmlassung vom
5. Dezember 2025 [act. A.4 im Verfahren VR1 25 73]).
1.3.
Die Überprüfung von Vergabeentscheiden beschränkt sich gemäss Art. 56
Abs. 3 IVöB auf Rechtsverletzungen inklusive Überschreitung oder Missbrauch des
Ermessens sowie auf unvollständige oder unrichtige Sachverhaltsfeststellungen.
Die Angemessenheit des angefochtenen Entscheids kann im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens hingegen nicht überprüft werden (). Das
Obergericht des Kantons Graubünden kann daher sein Ermessen nicht an die Stelle
jenes der Vorinstanz (Vergabebehörde) setzen. Vielmehr hat es, so die bisherige
verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung, Lösungen der Vergabebehörde zu akzep-
tieren, die mit sachlichen Gründen vertretbar sind, auch wenn eine andere Lösung
als zweckmässiger erschiene (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Grau-
bünden VR1 24 88 vom 11. Februar 2025 E. 1.5 m.w.H.). Gerade bei Fragen der
Bewertung der einzelnen Angebote aufgrund der ausgewählten Zuschlagskriterien
kommt der Vergabebehörde praxisgemäss ein weiter Ermessensspielraum zu und
auch bei Fragen technischer, technologischer, (bau-)physikalischer und metho-
dologischer Art oder bei Eignungs- und Angebotsbewertungen ist die Kognition
praktisch auf Willkür begrenzt (vgl. Praxis des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden [PVG] 2001 Nr. 45; statt vieler: Urteil des Obergerichts des Kantons
Graubünden VR1 24 88 vom 11. Februar 2025 E. 1.5 m.w.H). Das Gericht kann nur
dort eingreifen, wo eine Bewertung erwiesenermassen falsch und sachlich nicht
haltbar ist. Voraussetzung für ein Eingreifen und eine Korrektur ist der Nachweis
8 / 24
einer willkürlichen, sachlich nicht zu rechtfertigenden Bewertung eines Kriteriums
(vgl. Urteile des Obergerichts des Kantons Graubünden VR1 25 62 vom
27. Februar 2026 E. 1.5, VR1 24 46 vom 9. Juli 2025 E. 2.6 und VR1 24 45 vom
1. April 2025 E. 6).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Zuschlag für die
Winterdienstarbeiten, D._____ 2023/2024 bis 2027/2028 zu Recht der Beigela-
denen erteilt hat. Die Beschwerdeführerin beansprucht den Zuschlag für sich und
rügt die Vergabe als willkürlich.
3.
Rüge der zu tiefen Gewichtung des Zuschlagskriteriums «Preis»
3.1.
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom 10. Juli 2023
(vgl. act. A.1 im Verfahren U 23 54) auf den Standpunkt, dass gemäss gefestigter
Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden der Grundsatz
des Vorrangs des Preises nicht durch eine zu tiefe Gewichtung und eine zu weite
Bandbreite verwässert werden dürfe. Bei standardisierten Beschaffungen müsse
das Preiskriterium mindestens 60 % betragen und die zulässige Bandbreite bei
vorheriger Bekanntgabe zwischen 20-40 %, bei erst nachträglicher Berück-
sichtigung zwischen 25-50 % liegen (PVG 2019 Nr. 8/17 E. 2.2.7; U 22 82 E. 2.3).
In ihrer Replik vom 31. August 2023 hielt sie weiter fest, die Beschwerdegegnerin
verhalte sich vorliegend widersprüchlich und treuwidrig, habe sie doch selber in ihrer
Widerrufsverfügung vom _____ betreffend Winterdienst und Schneeräumung
F._____ bestätigt, dass es sich bei Schneeräumungsarbeiten um eine
standardisierte Leistung («Das Preiskriterium muss nämlich bei solchen Aufträgen
immer am höchsten gewichtet werden») handle (vgl. act. B.12 im Verfahren
U 23 54). Mit der Gewichtung des Preises von 30 % begebe sich die Beschwerde-
gegnerin an den untersten zulässigen Rand von 20 % der Preisgewichtung für
komplexe Beschaffungen; eine solche Beschaffung liege aber klar nicht vor. Da es
sich vorliegend zweifellos um eine einfache Beschaffung handle, müsse das Preis-
kriterium bei bzw. gegen 60 %, eventualiter mindestens bei 50 % liegen. In ihrer
Triplik vom 12. Oktober 2023 hielt die Beschwerdeführerin daran fest, dass die von
der Gerichtspraxis zur Mindestgewichtung entwickelten Regeln bzw. die Preis-
bewertungsformeln auch unter dem Regime der neuen IVöB unverändert weiter-
gelten würden und vertiefte das bisher Ausgeführte.
3.2.
Im Verfahren U 23 54 hielt die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung
vom 26. Juli 2023 (vgl. act. A.2 im Verfahren U 23 54) dagegen im Wesentlichen
fest, dass der Preis als Kriterium mit dem Paradigmenwechsel vom wirtschaftlichen
zum vorteilhaftesten Angebot zu Gunsten der Qualität etwas an Gewicht verloren
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haben dürfte, weshalb die bisherige Rechtsprechung nicht unbesehen übernommen
werden dürfe. Um das vorteilhafteste Angebot zu eruieren, seien die Ressourcen
des Betriebs und die Qualität des Angebots zumindest gleich wichtig oder sogar
noch wichtiger als der Preis. Deshalb dürfe bei den vorliegenden Winterdienstar-
beiten die Rechtsprechung zu standardisierten Leistungen hinsichtlich der Preis-
gewichtung nicht zum Tragen kommen. Mit einer Gewichtung von 30 % werde der
Qualität und den organisatorischen, finanziellen und kaufmännischen Anfor-
derungen angemessen Rechnung getragen, um das vorteilhafteste Angebot zu
ermitteln. In ihrer Duplik vom 28. September 2023 (vgl. act. A.4 im Verfahren U 23
54) verwies die Beschwerdegegnerin ausserdem auf die an die Gemeinden
abgegebene Mustervorlage «Wahl der Zuschlagskriterien nach dem neuen
Beschaffungsrecht (Musterbeispiel)» des Departements für Infrastruktur, Energie
und Mobilität (DIEM) (vgl. act. C.11 im Verfahren U 23 54).
3.3.
Zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht das Vorliegen
einer standardisierten resp. einfachen Leistung verneint und dem Zuschlagskrite-
rium «Preis» unter der Geltung der revidierten IVöB vom 15. November 2019, in
Kraft seit 1. Oktober 2022, zu Recht ein Gewicht von 30 % beimessen hat.
3.4.1. Gemäss erhält das vorteilhafteste Angebot den Zuschlag. Die
Auftraggeberin legt für die konkrete Beschaffung das aus ihrer Sicht optimale Preis-
Leistungs-Verhältnis anhand der Zuschlagskriterien und deren Gewichtung im
Rahmen der Ausschreibung fest (vgl. MÜLLER, in: Trüeb [Hrsg.], Handkommentar
zum Schweizerischen Beschaffungsrecht, 2020, Art. 41 N. 15). Zur Bestimmung
des vorteilhaftesten Angebots können neben dem Preis und der Qualität weitere je
nach Leistungsgegenstand definierte Zuschlagskriterien berücksichtigt werden (vgl.
). Das Angebot mit den meisten Bewertungspunkten bei den
Zuschlagskriterien muss zwingend den Zuschlag erhalten (vgl. Botschaft der
Regierung an den Grossen Rat, Heft Nr. 6/2021–2022, S. 388 und 396; vgl. MÜLLER,
a.a.O., Art. 41 N. 18 f.).
3.4.2. Die Vergabestelle verfügt in den Schranken der übergeordneten Zweck-
setzung der Vereinbarung () über ein grosses Ermessen, welchem
Zuschlagskriterium sie wieviel Gewicht beimessen und welche Unterkriterien sie
definieren möchte (vgl. TRIAS, Leitfaden für öffentliche Beschaffungen, Faktenblatt
Zuschlagskriterien [] vom Juli 2021, Version Mai 2025, S. 1 und 2
[nachfolgend: TRIAS Faktenblatt Zuschlagskriterien], https://www.trias.swiss;
MARTI, Der Paradigmenwechsel im öffentlichen Beschaffungsrecht, 2022, S. 45;
SCHNEIDER HEUSI, Vergaberecht in a nutshell, 3. Aufl. 2021, S. 104). Die
Vergabestelle bzw. die Auftraggeberin gibt die Zuschlagskriterien und ihre Gewich-
10 / 24
tung in der Ausschreibung oder den Ausschreibungsunterlagen bekannt (Art. 29
Abs. 3 IVöB). Für standardisierte Leistungen kann der Zuschlag ausschliesslich
nach dem Kriterium des niedrigsten Preises erfolgen (). Die
Beschwerdegegnerin hat in Ziffer 1.12 der Ausschreibungsunterlagen (vgl. act. B.6
und C.3 im Verfahren U 23 54) die massgebenden Zuschlagskriterien und ihre
prozentuale Gewichtung wie folgt festgelegt: Qualität des Anbieters (40 %), Qualität
des Angebots (30 %) und Preis (30 %).
3.4.3. Die aus dem Zweckartikel in abgeleitete Neuausrichtung auf den
wirtschaftlichen, volkswirtschaftlichen, sozial und ökologisch nachhaltigen Einsatz
öffentlicher Mittel sowie der Umstand, dass nicht mehr das «wirtschaftlich gün-
stigste» Angebot den Zuschlag erhalten soll, sondern das «vorteilhafteste Angebot»
() macht deutlich, dass die Qualität im Verhältnis zum Preis (noch) mehr
Gewicht erhalten soll (vgl. TRIAS Faktenblatt Zuschlagskriterien, S. 1; Muster-
botschaft vom 16. Januar 2020 zur Totalrevision der IVöB [nachfolgend:
Musterbotschaft IVöB], S. 14 f. und 21, https://www.bpuk.ch/bpuk/konkordate-
/ivoeb/ivoeb-2019). Wie bis anhin gibt es keine gesetzlichen Vorschriften zur
Mindestgewichtung des Preises oder zu Preisbewertungsformeln, hier gelten die
von der Gerichtspraxis entwickelten Regeln (vgl. BEYELER, in: Vergaberechtliche
Entscheide 2024/2025, 2026, S. 151; SCHNEIDER HEUSI, neues Vergaberecht in den
Kantonen: Überblick und erste Bilanz, ZBl 10/2023, S. 531).
3.5.1. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, bei den im Ein-
ladungsverfahren offerierten Winterdienstarbeiten handle es sich um einfache,
standardisierte Leistungen. Von standardisierten Produkten oder Leistungen wird
ausgegangen, wenn allgemein anerkannte Normen und Standards die Qualität des
Produkts bereits umfassend definieren oder ökologische Aspekte bei den
technischen Spezifikationen berücksichtigt wurden. Die Leistungsbeschreibung in
der Ausschreibung resp. den Ausschreibungsunterlagen muss so klar und detailliert
sein, dass die angebotenen Leistungen ohne Weiteres vergleichbar sind und sich
die Angebote im Wesentlichen nur noch durch den Preis voneinander unter-
scheiden. Eine solche Standardisierung ergibt sich insbesondere aus detaillierten
regulatorischen Vorgaben aus der Umweltschutzgesetzgebung oder internationalen
Normen wie ISO, DIN, etc. Standardisierte Leistungen sind typischerweise nament-
lich Baustoffe, Brenn- und Treibstoffe, Schrauben, Elektrizität, Glasfaserkabel
(LWL-Kabel), WC- und Druckerpapier oder Logendienst (vgl. BBl 2017 1851, 1956;
Musterbotschaft IVöB, S. 70; MARTI, a.a.O., S. 45; LOCHER/OECHSLIN, in: Trüeb
[Hrsg.], Handkommentar zum Schweizerischen Beschaffungsrecht, 2020, Art. 29
N. 33).
11 / 24
3.5.2. Nach BEYELER kann seit der Revision des Beschaffungsrechts nur für die
Beschaffung vollständig standardisierter Leistungen der Zuschlag ausschliesslich
nach dem Kriterium des niedrigsten Preises erfolgen (), nur dort
ist die ausschliessliche Verwendung des Zuschlagskriteriums «Preis» (100 %)
vorgesehen. Damit hat eine Verschiebung im Bereich der Regeln der Preis-
gewichtung stattgefunden (BEYELER, a.a.O., S. 151). bringt zum
Ausdruck, dass ein alleiniges Abstellen auf den Preis nur dann sachgerecht und
nachhaltig gemäss sein kann, wenn die ausgeschriebene Leistung
so beschrieben ist, dass sich keines der Angebote, welche diesem Beschrieb
entsprechen, von den anderen solchen Angeboten in irgendeinem relevanten
Qualitätsaspekt unterscheiden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_802/2021
vom 24. November 2022 E. 3.1; BEYELER, a.a.O., S. 151). Ausserhalb des Bereichs
der (vollständig) standardisierten Leistungen ist ein reiner Preiswettbewerb
hingegen unzulässig, vielmehr sind immer auch Qualitätskriterien anzuwenden (vgl.
; MARTI, a.a.O., S. 46). So müssen für die nur «weitgehend» stand-
ardisierten Leistungen neu auch Qualitätskriterien vorgesehen werden (BEYELER,
a.a.O., S. 151). Als solche Güter galten gemäss bisheriger Rechtsprechung nicht
nur Gegenstände von Lieferaufträgen sondern auch Bau- und Dienstleistungen, die
in hohem Mass standardisiert waren (vgl. SCHNEIDER HEUSI, Die Bewertung des
Preises, in: Zufferey/Beyeler/Scherler [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2018, 2018,
S. 341). Als «weitgehend» standardisiert wurde etwa die fachgerechte Entsorgung
von Strassenentwässerungsschlamm und Wischgut angesehen, wegen der
detaillierten Regulierung des Entsorgungswesens aufgrund genauer, zwingender
betrieblicher und technischer Vorgaben (vgl. LOCHER/OECHSLIN, a.a.O., Art. 29
N. 33; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2014.00701 vom
7. Mai 2015 E. 3.3). Diese weitgehende Standardisierung wurde weiter für Tiefbau-
und Gärtnerarbeiten (z.B. Verlegen von Leitungen, Erstellen von Rinnen und
Schächten, Einbau von Kiesfundationsschichten, Aufbringen von Belägen wie
Mergel, Betonverbundsteine oder Pflanzlieferungen und Pflanzarbeiten etc.) bejaht
(vgl. GALLI/MOSER/LANG/STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts,
3. Aufl. 2013, Rz. 832). Das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau erachtete
einen Dienstleistungsauftrag betreffend Kehrichtsammlung in Säcken und lose in
Containern mit Blick auf das Faktenblatt der Baudirektion des Kantons Zürich und
der konkreten Art der Ausschreibung als «relativ stark standardisiert» und befand
die in casu ausgeschriebene Preisgewichtung von 40 % für eher tief (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau WBE.2024.183 vom 4. November 2024
E. 3.3; BEYELER, a.a.O., S. 160).
12 / 24
3.5.3. Gemäss BEYELER hat der mit der Vergaberechtsrevision beschlossene
Ausschluss der nur «weitgehend» standardisierten Leistungen aus dem
Anwendungsbereich des Preisgewichts von 100 Prozent (vgl. )
dazu geführt, dass bei «weitgehend» standardisierten Leistungen nun höchstens
noch ein Preisgewicht von 80 oder vielleicht 90 Prozent zulässig sein kann.
Entsprechend verschieben sich auch die noch weniger standardisierten Leistungen
nach unten. Demnach ist bei nicht oder nur «fast weitgehend standardisierten
Leistungen» nun ein Höchstgewicht des Preises von etwa 70 oder 80 Prozent
geboten. Dies muss entsprechend auch am unteren Ende der Skala Auswirkungen
auf die Überlegungen zum Preis-Mindestgewicht haben, als dass dessen
Prozentzahl sich verringern sollte (BEYELER, a.a.O., S. 152). Bei der Prüfung,
inwieweit ein konkreter Auftrag standardisiert ist – was wiederum Einfluss auf die
Frage hat, wie grosse Qualitätsunterschiede zu erwarten sind und wie stark der
Preis demzufolge zu gewichten ist – kann es einzig auf die konkrete Art der
Ausschreibung im Einzelfall im Lichte der Frage ankommen, ob gestützt darauf
grössere, kleinere oder praktisch keine relevanten Qualitätsunterschiede zwischen
den verschiedenen Angeboten zu erwarten sind. Je grösser diese Unterschiede
sind, desto geringer ist der Preis zu gewichten und umgekehrt. Nicht zielführend ist
es, sich auf allgemeine Betrachtungen von Beschaffungen der fraglichen Art, bei
denen nicht der konkrete Auftrag, sondern ein generalisierter Auftragstyp im
Zentrum steht, abzustellen (BEYELER, a.a.O., S. 161). Aufgrund des Gesagten
erweist sich die bisherige Rechtsprechung zu standardisierten Leistungen wie z.B.
das Urteil des Bundesgerichts 2C_802/2021 vom 24. November 2022, das noch
gestützt auf die alte IVöB vom 15. März 2001 (vgl. 2019) erging
und bei einfachsten ausgeschriebenen Leistungen resp. Vergaben, bei denen
naturgemäss keine erheblichen Qualitätsunterschiede oder sonstigen relevante
Unterschiede zu erwarten sind (z.B. Wäsche- und Lieferservice von Handtuch-
rollen), eine Mindestgewichtung des Preiskriteriums von 60 % vorsah (E. 3.8 f.),
bezüglich Sachverhalten unter neuer Gesetzgebung als überholt und grundsätzlich
nicht mehr massgebend.
3.5.4. Die Beschwerdegegnerin verneint dagegen das Vorliegen derartiger standar-
disierter, einfacher Leistungen und geht vielmehr von einem komplexen Auftrag aus.
Dem Preis zur Bestimmung des vorteilhaftesten Angebotes bei der Beschaffung
komplexer Werke oder Dienstleistungen kommt regelmässig weniger Gewicht zu.
Im Allgemeinen rücken neben dem Preis vielmehr auch andere Kriterien in den
Vordergrund, je aufwendiger die ausgeschriebene Arbeit ist (vgl. z.B. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Nr. 100.2025.54U vom 20. Dezember 2025
E. 9.1). Vorhaben, die derart komplex sind, dass eine tiefe Gewichtung des
13 / 24
Kriteriums Preis begründet werden kann, sind beispielsweise IT-Beschaffungen mit
vielen Schnittstellen zu vorhandenen Systemen und Rahmenbedingungen, die es
bei der Umsetzung und Implementierung zu beachten gilt. Eine solche Komplexität
wurde z.B. bejaht bei einer Ausschreibung für die Einführung von SAP-Software
(vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2009.00393 vom
8. September 2010 E. 4.2; SCHNEIDER HEUSI, Vergaberecht in a nutshell, S. 107).
Als komplex wurde u.a. auch der Neubau einer Verbindungsstrasse mit einem
heiklen Durchstich unter der Kantonsstrasse, einem Fahrradweg und zwei Tram-
spuren, was die Errichtung eines 43 Meter langen und 11 Meter breiten Unter-
führungsbauwerks in Deckelbauweise sowie die Erstellung eines Kleintier-
durchlasses bedingte, erachtet (vgl. Entscheid des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft 810 17 15 vom 28. Juni 2017 E. 6.4.1). Zulässig ist es weiter, den Preis
bei der Beschaffung von Planerleistungen tief zu gewichten, so für umfangreiche
Vorhaben sowie in bau-, gebäudetechnischer und betrieblicher Hinsicht anspruchs-
volle Objekte wie Spitäler, für Bauten von hoher denkmalpflegerischer Bedeutung
oder grosse Infrastrukturbauten (vgl. dazu SCHNEIDER HEUSI, Vergaberecht in a
nutshell, S. 107). Nach der Rechtsprechung zum alten Recht galt der Grundsatz,
dass der Preis selbst bei komplexen Beschaffungen mit mindestens 20 % zu
gewichten war (BGE 143 II 553 E. 6.4, 130 I 241 E. 6.3, 129 I 313 E. 9.2; vgl. insb.
Urteil des Bundesgerichts 2C_802/2021 vom 24. November 2022 E. 1.6). Gemäss
BEYELER wird diese Rechtsprechung aber gerade nicht ausdrücklich übernommen
(BEYELER, a.a.O., S. 151). Nach dem neuen Recht könnte allenfalls auch eine tiefere
Gewichtung des Preises in Betracht kommen. Denn je komplexer die Leistung ist,
desto tiefer kann der Preis gewichtet werden (vgl. TRIAS Faktenblatt Zuschlags-
kriterien, S. 3). Eine zu niedrige Gewichtung des Preises stünde jedoch im
Widerspruch zur Zielsetzung des öffentlichen Beschaffungsrechts, öffentliche Mittel
unter anderem wirtschaftlich einzusetzen (; LOCHER/OECHSLIN,
a.a.O., Art. 29 N. 17).
3.6.1. Vorliegend strittig ist die Qualifikation resp. der Schwierigkeitsgrad der
ausgeschriebenen Leistung. Gemäss Musterbeispielen des DIEM zur Wahl der
Zuschlagskriterien nach dem neuen Beschaffungsrecht ist der Preis bei Dienst-
leistungen mit 50–25 %, die Qualität des Anbieters mit 20–40 % und die Qualität
des Angebots mit 30–25 % zu gewichten. Diese Gewichtung ist abhängig vom
Schwierigkeitsgrad klein, mittel und gross (vgl. act. C.11 im Verfahren U 23 54). Die
Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bau-
herren (KBOB) empfiehlt in ihrem Leitfaden zur Beschaffung von Leistungen in der
Objektbewirtschaftung (vgl. Leitfaden KBOB Anhang 1, Stand 11. Januar 2021,
Ziff. 4.1, https://www.kbob.admin.ch/de/beschaffungs-und-vertragswesen) folgende
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Gewichtungen der Preis- und Qualitätskriterien, abgestuft nach unterschiedlichen
Komplexitätsgraden des Auftrags:
Anforderungen/
Komplexität
Einfach
Mittel
Hoch
Preis
50–70 %
30–50 %
20–40 %
Qualität
30–50 %
50–70 %
60–80 %
Wie bereits festgehalten wurde, muss für die Beurteilung der Rechtmässigkeit einer
gewählten Preisgewichtung die konkret ausgeschriebene Leistung entscheidend
sein, nicht die Kategorie, der diese Leistung zuzuordnen ist (BEYELER, a.a.O.,
S. 152). Die Vergabebehörde, die den Preis eher gering gewichten will, muss durch
Aufstellung entsprechender Zuschlagskriterien sicherstellen, dass sie die
ermöglichten Qualitätsunterschiede adäquat zu messen und Qualitätsvorteile
entsprechend zu belohnen vermag (BEYELER, a.a.O., S. 161). Mögliche Kriterien für
die Einschätzung der Komplexität des Auftrags sind u.a. die damit verbundenen
fachlichen Anforderungen, die involvierten Risiken, langfristige Auswirkungen des
Auftrags und die Bedeutung der Leistung. Die Einstufung des Auftrags ist letztlich
anhand aller relevanten Eigenschaften des vorliegenden Auftrags zu beurteilen (vgl.
walderwyss rechtsanwälte, Vergabe News Nr. 36, Oktober 2023, S. 2).
3.6.2. Die massgebenden Zuschlagskriterien mit ihrer Gewichtung sind vorliegend
im Voraus bekanntgegeben worden: Qualität des Anbieters 40 %, Qualität des
Angebots 30 % und Preis 30 % (vgl. Ziff. 1.12 der Ausschreibungsunterlagen [act.
B.6 und act. C.3 im Verfahren U 23 54]). Gemäss den Ausschreibungsunterlagen
hat die Auftragnehmerin den Winterdienst in der B._____, Fraktion D._____, zu
versehen. Dieser beinhaltet die Gemeinde- und Kantonsstrassen, inklusive
Gehsteige und Plätze auf einer Fläche von insgesamt 9'950 m2 (Ziff. 2.1). Die
Winterdienstarbeiten umfassen u.a. die Kennzeichnung der Randmarkierungen der
Strassen sowie gefährdeter Objekte mit den Strassenpfosten im Herbst vor dem
Wintereinbruch, die Instandhaltung dieser Strassenpfosten während der Winter-
saison sowie deren Demontage im Frühling (Ziff. 2.2.1). Weiter sind die zu bear-
beitenden Strassen, Trottoirs und Plätze gemäss Vorgaben zu pflügen und zu
räumen und der Schnee auf bezeichneten Depots zu deponieren (Ziff. 2.2.2). Die
Bearbeitung der vorgegebenen Flächen hat bei nächtlichem Schneefall
entsprechend den Prioritäten bis spätestens um acht Uhr morgens zu erfolgen
(Ziff. 2.2.3). Die Auftragnehmerin bzw. ihr Stellvertreter muss jederzeit für die
Pikettverantwortlichen des Technischen Dienstes telefonisch erreichbar sein
(Ziff. 2.2.5). Die Einsatzbereitschaft muss jeweils vom 1. November bis zum
15 / 24
Saisonende der Bergbahnen gewährleistet werden. Ab dem Saisonende bis zum
30. Oktober muss eine reduzierte Einsatzbereitschaft aufrecht erhalten bleiben,
welche die Schneeräumung mit einem reduzierten Personal- und Inventarbestand
gewährleistet (Ziff. 2.2.7). Die Verkehrsflächen und Gehsteige sind grundsätzlich ab
einer Schneehöhe von 3 cm zu pflügen (Ziff. 2.2.8).
3.6.3. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin handelt es sich nach
Auffassung des streitberufenen Gerichts beim vorliegenden Beschaffungs-
gegenstand – wie die Vergabebehörde überzeugend darzulegen vermag –
keineswegs um sog. vollständig oder weitgehend standardisierte Leistungen, wie
zuvor dargelegt wurde (vgl. Erwägungen 3.5.1 ff.). Einzelne Elemente des Auftrags
mögen für sich allein betrachtet Merkmale einer standardisierten Leistung
aufweisen, entscheidend ist aber eine gesamthafte Betrachtung des Auftrags. Die
streitbetroffene Leistung ist damit nicht vergleichbar mit derjenigen im Urteil
2C_802/2021 vom 24. November 2022, wo es um einen Dienstleistungsauftrag der
Stadt Zürich ging, der im Wesentlichen die Ausrüstung von Sanitätsräumen/WC-
Anlagen mit Handtuchspendern und danach die Aufrechterhaltung des betriebs-
fähigen Zustandes mit dem Waschservice der Stoffhandtuchrollen inklusive
Transport, wobei die Stoffhandtuchrollen durch das Reinigungspersonal der Stadt
Zürich ausgetauscht wurden, beinhaltete. Bei dieser einfachen Leistung waren
naturgemäss keine erheblichen Qualitätsunterschiede oder sonstigen relevanten
Unterschiede zu erwarten, weshalb der Preis ausschlaggebend sein musste (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 2C_802/2021 vom 24. November 2022 E. 3.7). Die
vorliegenden Winterdienstarbeiten sind ausserdem auch nicht vergleichbar mit dem
Transport von Siedlungsabfall oder der üblichen Strassenreinigung. An den
Winterdienst im alpinen Raum sind ausserdem höhere Anforderungen zu stellen,
als an denjenigen im urbanen städtischen Raum. Erschwerend für das erfolgreiche
Offerieren erweist sich hier zudem die Auftragsdauer von fünf Jahren. Die
Beschwerdegegnerin bringt zu Recht vor, dass beim Einsatz von Personal und
Maschinen nicht von fixen Zeiten und Daten ausgegangen werden kann, da das
Risiko von längeren Trocken- oder Schneefallzeiten einzurechnen sei. Die
Anbieterin und ihre Stellvertretung haben zudem jederzeit für die Auftraggeberin
erreichbar zu sein. Die Anbieterin hat weiter bei jedem Schneefall zeitnah über den
Räumungseinsatz zu entscheiden und das Personal wie auch die Maschinen zeit-
und fachgerecht einzusetzen. Auf der Hand liegt damit auch das Risiko von einsatz-
losen resp. nicht produktiven Stunden. Das erfolgreiche Offerieren hängt nach dem
Gesagten von diversen, nicht voraussehbaren bzw. nicht einzuschätzenden
Voraussetzungen ab.
16 / 24
3.6.4. Es handelt sich hier nach Auffassung des streitberufenen Gerichts aber auch
nicht um Leistungen mit einem hohen Schwierigkeitsgrad (vgl. dazu obige
Erwägung 3.5.4) wie die Beschwerdegegnerin darlegt. Vielmehr ist von einem
mittleren bis einfachen Schwierigkeitsgrad auszugehen (vgl. Musterbeispiele des
DIEM [act. C.11 im Verfahren U 23 54]). Gemäss bisheriger kantonaler Praxis sowie
einer stichprobenartigen Überprüfung von auf www.simap.ch publizierten öffent-
lichen Ausschreibungen im Bereich Winterdienstarbeiten lag die Preisgewichtung
jeweils bei überwiegend 40–60 % (vgl. z.B. Urteile des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden U 20 45 vom 16. Juli 2020, Preis: 40 %; U 19 96 vom
29. Januar 2020, Preis 50 %; U 18 47 vom 9. Oktober 2018, Preis 40 %; U 18 42
vom 18. September 2018, Preis 40 %; U 17 35 vom 10. August 2017, Preis 50 %;
U 17 27 vom 30. Juni 2017, Preis: 50 %; U 17 26 vom 16. Mai 2017, Preis 50 %;
vgl. auch Ausschreibungen und Zuschläge auf simap.ch: Ausschreibung
Ausführung Winterdienstleistungen auf Bezirksstrassen 2026-2036, Einsiedeln,
vom 3. Juli 2026, ZK1 Preis 50 %, ZK2 Qualität der Fahrzeuge, Geräte, inkl.
Garagierung und ökologische Aspekte 30 %, ZK3 Erfahrung und Referenzen 20 %;
Ausschreibung
Dienstleistungen
Winterdienst
(Schneeräumung,
Glatteis-
entfernung), Gemeinde Dotzigen, vom 11. Februar 2026, ZK1 Preis 40 %, ZK2
Ressourcen 30 % und ZK3 Auftragsanalyse 30 %; Zuschlag vom 27. Mai 2025 betr.
Winterdienst – Strecken Kreis 2 (Ausserschwyz), Preis 60 %, Qualität An-
/Aufbaugeräte 20 %, Nachhaltigkeit Fahrzeuge 20 %; Zuschlag vom 19. Februar
2025
betr.
Winterdienst
TBA
ZH
UB12
Route
1201a,
Preis
60 %,
Trägerfahrzeug/Nachhaltigkeit 40 %). Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich
erachtete ausserdem die Gewichtung des Angebotspreises mit 70 % und Ökologie
mit 30 % bei einem offenen Submissionsverfahren betreffend maschinellen
Winterdienst/34 Fahrzeuge für zehn Jahre als zulässig (VB.2024.00640,
VB.2024.00641, VB.2024.00643 vom 19. Juni 2025 E. 3.3.2).
3.6.5. Das Zuschlagskriterium «Preis» wurde vorliegend mit 30 % gewichtet. Damit
liegt es am unteren Rand der Preisgewichtung komplexer Beschaffungen als auch
am unteren Ende des abstrakten Rahmens von 50-25 % gemäss Empfehlung des
DIEM (vgl. act. C.11 im Verfahren U 23 54). Unbestritten ist, dass die Qualität im
Verhältnis zum Preis unter neuem Recht (IVöB 2019) mehr Gewicht erhalten soll
als bisher. Will die Vergabebehörde aber den Preis eher gering gewichten, muss
sie durch entsprechende Zuschlagskriterien die Qualitätsunterschiede adäquat
messen und die Qualitätsvorteile entsprechend belohnen können (vgl. Erwägung
3.6.1). Die Beschwerdegegnerin hat bei den Beurteilungskriterien die Qualität des
Anbieters mit 40 % im Vergleich zu den Kriterien «Qualität des Angebots» (30 %)
und «Preis» (30 %) am stärksten gewichtet (vgl. act C.9 im Verfahren U 23 54). Mit
17 / 24
dem Kriterium «Qualität des Anbieters», das anhand der Qualifikation der
Schlüsselpersonen bzw. der Anforderungen im Projekt beurteilt wird, soll und muss
in Bezug auf die vorliegend zu beschaffende Leistung ein offener Anbieterkreis
angesprochen werden. Die konkreten Winterdienstarbeiten sind denn auch nicht
derart komplex, dass sich eine Gewichtung des Kriteriums «Qualität des Anbieters»
mit hohen 40 % rechtfertigen würde. Damit erweist sich dieses Kriterium gegenüber
den beiden anderen Kriterien als offensichtlich übergewichtet. Selbst schlechte
Erfahrungen mit bisherigen Leistungserbringern rechtfertigten keine derartige
überzeichnete Gewichtung des Zuschlagskriteriums «Qualität des Anbieters» wie
im vorliegenden Fall. Auch beim Kriterium «Qualität des Angebots» ist kaum
ersichtlich, weshalb sich die Gewichtung mit 30 % ebenfalls am oberen Rand der
Empfehlung des DIEM (30-25 %) bewegt: So nehmen die hier typischerweise zu
beurteilenden Kriterien wie die Aufgaben- und Risikoanalyse, ein Nachhaltig-
keitskonzept, die Kreislauffähigkeit, ein Vorgehensvorschlag mit QM-Konzept, die
Innovation und Plausibilität des Angebots, die Stundenschätzung sowie die
Vorschläge für Einsparungen bei dieser konkreten Beschaffung von Winter-
dienstarbeiten allesamt einen eher untergeordneten Stellenwert ein. Die
Beschwerdegegnerin hat unter diesem Titel zwar mit der «Zeit zum Einsatzort»,
«Garagierung der Fahrzeuge», der «Verfügbarkeit von Ersatzfahrzeugen» und der
«Nachhaltigkeit» durchaus angepasste und zweifellos relevante Unterkriterien
vorgegeben, welche aber in ihrer Gesamtheit mit 30 % übergewichtet erscheinen,
gerade vor dem Hintergrund, dass die beiden mit je 10 % am stärksten gewichteten
Subkriterien «Zeit zum Einsatzort» und «Garagierung der Fahrzeuge» letztlich gar
nicht beurteilt wurden und damit allfällige Qualitätsvorteile eben gerade nicht
belohnt werden konnten.
Angesichts der Einstufung der vorliegenden Vergabe mit einem mittleren bis ein-
fachen Schwierigkeitsgrad, im Hinblick auf den konkreten Beschaffungsgegenstand
und die damit verbundenen Anforderungen sowie unternehmerischen Risiken
erweist sich die Gewichtung des Zuschlagskriteriums «Preis» mit nur 30 % als zu
tief festgelegt. Diesen Schluss vermag auch das Vorbringen der Beschwerde-
gegnerin, dass die Ressourcen des Betriebes und die Qualität des Angebotes
zumindest gleich wichtig oder sogar noch wichtiger seien sowie bei mehrjährigen
Verträgen über die Schneeräumung die Qualität der Ausführung und die Verläss-
lichkeit der Anbieter mehr zählten als der Preis, nicht umzustossen. Eine besondere
Komplexität oder ein besonderer Schwierigkeitsgrad des Auftrags ist vorliegend
nicht ersichtlich. Damit liegt eine sachlich nicht zu rechtfertigende Überschreitung
des Ermessens bei der Gewichtung des Preiskriteriums durch die Vergabebehörde
vor. Die Beschwerde ist deshalb in diesem Punkt gutzuheissen.
18 / 24
Damit würde sich eine Beurteilung der übrigen Rügen der Beschwerdeführerin an
sich erübrigen. Der Vollständigkeit halber rechtfertigt es sich indessen, nachfolgend
auf diese einzugehen.
4.
Rüge der unzulässigen Verfahrensartvermischung
4.1.
Die Beschwerdeführerin moniert in materieller Hinsicht zum einen die
Anwendung einer falschen Verfahrensart durch die Vergabebehörde. Sie macht
eine unzulässige Vermischung des Verfahrens geltend und rügt in diesem
Zusammenhang eine Verletzung von . Begründend brachte sie dazu
vor, so gebe es etwa das Einladungsverfahren und das offene Verfahren, aber
nichts dazwischen. Indem die Vergabebehörde Elemente der beiden Verfahren-
sarten vermische, sei das Vergabeverfahren mit einem derart schwerwiegenden
Rechtsmangel behaftet, dass das Gericht hier von Amtes wegen einschreiten
müsse. Die Beschwerdegegnerin hält dem entgegen, dass sie mit ihrem Vorgehen
lediglich allfällig interessierte Anbieter von Winterdienstarbeiten im Einzugsgebiet
der Gemeinde habe eruieren wollen. Sie habe aber von Beginn weg die Regeln des
Einladungsverfahrens für anwendbar erklärt und damit Klarheit geschaffen. Die
konkrete Einladung bzw. Eröffnung des Wettbewerbs erfolgte dann mit der Abgabe
der Offertformulare inkl. Beilagen an die Anbieter.
4.2.
Das Bundesgericht hielt im Urteil 2C_657/2023 in Erwägung 4 dazu im
Wesentlichen fest, dass sich die Vergabebehörde angesichts der Angebote, die
betraglich klar unterhalb des in i.V.m. Anhang 2 IVöB
verankerten Schwellenwerts von CHF 250'000.00 lägen, ohne Weiteres für die
Durchführung des Einladungsverfahrens habe entscheiden dürfen. Die vorgängige
Ankündigung der Vergabe in der Lokalzeitung möge, wie die Vorinstanz zutreffend
angeführt habe, möglicherweise ungewöhnlich erscheinen. Jedenfalls habe die
Vergabebehörde damit keine öffentliche Ausschreibung durchgeführt, so dass
entsprechend auch nicht die Vorgaben des offenen Verfahrens gemäss
zum Tragen kämen. Soweit die Vergabebehörde gewisse Aspekte des offenen
Verfahrens sinngemäss für das durchgeführte Einladungsverfahren beigezogen
habe, erkannte das Bundesgericht keine Rechtsverletzung. Es verwies diesbe-
züglich auf die Musterbotschaft, wonach im Einladungsverfahren im Allgemeinen
die Regeln des offenen Verfahrens analog anwendbar seien, mit Ausnahme der
Regeln für die Veröffentlichung. Nach dem Gesagten erweist sich diese Rüge dem-
nach als unbegründet.
5.
Rüge der vergabewidrigen Bewertung des Unterkriteriums «Zeit zum
Einsatzort»
19 / 24
5.1.
Die Beschwerdeführerin rügt weiter eine falsche Bewertung im Unterkriterium
«Zeit zum Einsatzort». Sie habe dort «5 Minuten» angegeben und dennoch dafür
keine Punkte erhalten. Richtigerweise hätte sie dort 5 Punkte multipliziert mit der
Gewichtung von 10, somit 50 Punkte erhalten sollen, womit sie insgesamt eine
höhere Punktezahl erreicht hätte als die Zuschlagsempfängerin. Die Beschwerde-
gegnerin entgegnet diesem Vorwurf, dass bei der gerügten Angabe im Devis nicht
die «Zeit zum Einsatzort» bei den eingesetzten Fahrzeugen anzugeben gewesen
sei, sondern die «Zeit zum Einsatzort» der Ersatzfahrzeuge. Weil bei allen drei
Anbietern die Reaktions- bzw. Einsatzzeit für die Ersatzfahrzeuge mit weniger als
15 Minuten angegeben worden sei, seien sie hinsichtlich der Bewertung auch alle
gleich zu behandeln gewesen. Ob sie alle mit 10 Punkten oder – wie vorliegend –
mit 0 Punkten bewertet worden seien, mache im Ergebnis keinen Unterschied.
5.2.
Der Vergabebehörde ist grundsätzlich zuzustimmen, obschon es einleuch-
tender gewesen wäre, bei Erfüllen der geforderten «Zeit zum Einsatzort» an alle
Anbieter die volle Punktzahl von 10 anstatt 0 Punkten zu vergeben. Im Ergebnis
aber ist allein entscheidend, dass alle drei Anbieter gleich behandelt wurden resp.
die Beschwerdeführerin gegenüber der Zuschlagsempfängerin nicht benachteiligt
wurde. Demnach erweist sich auch diese Rüge als unbegründet.
6.
Rüge der Bewertung der Qualität der Anbieterin
6.1.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin, dass sie beim Zuschlagskriterium
«Qualität des Anbieters» im Unterkriterium «Erfahrung und Referenzen» auf einer
Skala von 0–5 Punkten mit nur 3 Punkten – entsprechend «keiner o. neutrale
Erfahrung» bewertet worden sei, was unhaltbar sei, habe die Beschwerdeführerin
doch während Jahrzehnten für die Gemeinde, den Kanton und private Unter-
nehmungen den Winterdienst besorgt und das stets zur vollen Zufriedenheit der
Besteller, was auch mit Referenzschreiben in der Offerte belegt sei. Die
Beschwerdeführerin sei in diesem Kriterium mit 5, mindestens aber mit 4 Punkten
zu bewerten, womit sie aufgrund der Gewichtung von 20 % dieses Kriteriums die
Zuschlagsempfängerin überhole und ihr der Zuschlag zuzusprechen sei. In der
Replik räumte die Beschwerdeführerin ein, dass es ein einziges Mal zu einem
Schadensereignis gekommen sei, welches aber von ihrer Versicherung vollständig
getragen worden sei; sämtliche weiteren Vorwürfe bestritt sie hingegen. Im Übrigen
sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Zuschlagsempfängerin, welche über viel
weniger Erfahrung im Winterdienst verfüge als sie, die maximale Punktezahl
erreicht habe. Die Beschwerdegegnerin verweist ihrerseits auf den Umstand, dass
die Auftragsarbeiten der Beschwerdeführerin in den vergangenen Jahren mehrfach
zu Beanstandungen geführt hätten, sodass sie seitens der Gemeinde sogar schrift-
20 / 24
lich auf ihre Vertragsverpflichtungen und Unterlassungen habe aufmerksam
gemacht werden müssen. Diese Situation habe zu einer Grundbewertung von
2 Punkten geführt, welche angesichts anderer, ansprechender Referenzen auf
3 Punkte erhöht worden sei. Angesichts der Reklamationen und einer schriftlichen
Massregelung könne nicht davon gesprochen werden, dass diese Bewertung
rechtsungleich, missbräuchlich oder unsachlich sei. In ihrer Duplik verwies die
Beschwerdegegnerin auf ihr Schreiben vom 22. November 2021, auf welches die
Beschwerdeführerin nicht reagiert und damit die Vorwürfe akzeptiert habe. Im
Übrigen würden in kleinräumigen Verhältnissen wie hier nicht jede noch so kleine
Beanstandung schriftlich abgemahnt, weshalb keine weiteren Abmahnungen vor-
lägen.
6.2.
Mit Schreiben vom 22. November 2021 (vgl. act. C.1 im Verfahren U 23 54)
hielt die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin gravierende Versäumnisse
und Mängel bei der Ausführung des Auftrags betreffend die Fraktionen G._____,
D._____ und H._____ vor. Dabei stellte die Beschwerdegegnerin sogar die
Vertragskündigung in den Raum für den Fall, dass die Beschwerdeführerin ihre
vertraglichen Verpflichtungen auch künftig nicht einhalte. Diese Mahnung ist zumin-
dest schriftlich unwidersprochen geblieben. Sollten derart gravierende Vorwürfe
haltlos sein, wäre mit einer schriftlichen Bestreitung bzw. einer Gegendarstellung zu
rechnen, welche hier aber offenbar unterblieb. Die von der Beschwerdeführerin als
Zeugen angebotenen Busfahrer des lokalen Taxidienstes I._____, welche die Arbeit
der Beschwerdeführerin auf dem Gebiet von D._____ schätzten und lobten, sind in
der vorliegenden Sache nicht zielführend, da nicht die Begründetheit der Vorwürfe
der Beschwerdegegnerin betreffend, weshalb auf deren Befragung in antizipierter
Beweiswürdigung verzichtet werden kann (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5, 141 I 60
E. 3.3 und 136 I 229 E. 5.3). Mit einer Basisbewertung von 2 Punkten sowie einem
zusätzlichen Punkt aufgrund anderer, positiver Referenzen hat die Beschwerde-
gegnerin im Rahmen ihres Ermessens eine sachlich nachvollziehbare Bewertung
vorgenommen. Dasselbe kann in Bezug auf die bessere Bewertung der Zuschlags-
empfängerin gesagt werden, waren doch dort gemäss Akten keine negativen
Vorkommnisse zu berücksichtigen. Allein die Tatsache, dass die Beschwerde-
führerin über mehr Erfahrungsjahre verfügt als die Zuschlagsempfängerin, kann für
sich allein gesehen nicht zu einer höheren Bewertung führen. Insofern ist es auch
gerechtfertigt, dass ein Unternehmen mit einem weniger langen, aber insgesamt
einem repräsentativen Erfahrungshorizont die maximale Punktezahl erreichen
können soll. Die Bewertung des Qualitätskriteriums «bisherige Erfahrung der
Gemeinde und Referenzen bzgl. Qualität» erweist sich somit als sachlich nachvoll-
ziehbar und im Rahmen des grossen Ermessensspielraumes der Vergabebehörde
21 / 24
auch als haltbar bzw. rechtlich korrekt. Damit erweist sich diese Rüge als
unbegründet.
7.1.
Im Ergebnis erweist sich der angefochtene Zuschlagsentscheid vom 16. Juni
2023 als nicht rechtens, was zur Aufhebung desselben und zur Gutheissung der
Beschwerde vom 10. Juli 2023 insoweit führt, als es die Winterdienste und die
Schneeräumung D._____ 2026/2027 und 2027/2028 betrifft. Die Beschwerde-
instanz kann in der Sache selbst entscheiden oder diese an die Vorinstanz oder die
Auftraggeberin zurückweisen. Im Fall einer Zurückweisung hat sie verbindliche
Anweisungen zu erteilen (). Erweist sich die Beschwerde als
begründet und ist der Vertrag mit der berücksichtigten Anbieterin bereits
abgeschlossen, so stellt die Beschwerdeinstanz fest, inwiefern die angefochtene
Verfügung das anwendbare Recht verletzt (). Bei diesem sog.
Sekundärrechtsschutz bleibt das Vergabegeschäft als solches vom Beschwerde-
entscheid unberührt (vgl. BGE 152 II 142 E. 5.3.2). Der Beschwerdeinstanz ist ein
direkter Eingriff in den privatrechtlichen Vertrag mangels Zuständigkeit verwehrt; die
Gültigkeit oder Ungültigkeit eines privatrechtlichen Vertrages ist durch die Zivil-
gerichte zu beurteilen (vgl. BÜHLER, in: Trüeb [Hrsg.], Handkommentar zum
Schweizerischen Beschaffungsrecht, 2020, Art. 58 N. 2; vgl. ferner Musterbotschaft
IVöB, S. 99). Da der Vertrag bezüglich die Winterdienstarbeiten D._____ ab Winter
2023/2024 bis zum rechtskräftigen Abschluss der Gerichtsverfahren bereits
abgeschlossen wurde, kann betreffend die Winter 2023/2024 bis 2025/2026 durch
das streitberufene Gericht nur noch die Rechtswidrigkeit des angefochtenen
Vergabeentscheides festgestellt werden (; vgl. BÜHLER, a.a.O.,
Art. 58 N. 1; vgl. auch LOCHER, Wirkungen des Zuschlags auf den Vertrag im
Vergaberecht, Diss. 2013, S. 74 f.).
7.2.
Nach ständiger Praxis des früheren Verwaltungsgerichts steht der Vergabe-
behörde ein grosser Ermessensspielraum zu, in den das Gericht aufgrund seiner
auf Sachverhalts- und Rechtsfragen beschränkten Kognition nicht eingreifen darf.
Ein Zuschlag an die Beschwerdeführerin bezüglich die Winterdienstarbeiten
D._____ könnte demnach heute nur noch für die Restlaufzeit, die Winter 2026/2027
und 2027/2028, erfolgen. Im konkreten Fall erachtet es das Gericht als geboten,
den angefochtenen Zuschlagsentscheid bloss zu kassieren und zur neuen Vergabe
im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, anstatt
reformatorisch tätig zu werden, was zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und zur Direkterteilung des Zuschlags an die Beschwerdeführerin führen würde. Mit
der Kassation des angefochtenen Zuschlags – soweit es die Winterdienste
2023/2024 bis 2025/2026 betrifft – verbleibt der Beschwerdegegnerin immerhin
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noch ein gewisser Spielraum, die Schneeräumung und den Winterdienst auf ihrem
Hoheitsgebiet hinsichtlich die kommenden beiden Winter 2026/2027 und 2027/2028
zu gestalten. Dieser Handlungsspielraum wird ihr mit diesem Urteil nicht genommen
(vgl. z.B. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U 20 32 vom
16. Juni 2020 E. 4.8, U 18 52 vom 30. Oktober 2018 E. 6.5, U 18 47 vom 9. Oktober
2018 E. 3.4). Die Streitsache ist demnach an die Vorinstanz zur Neubeurteilung und
neuem Entscheid bezüglich die Winterdienstarbeiten 2026/2027 und 2027/2028
zurückzuweisen.
8.1.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdegegnerin als unter-
liegende Partei die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 73 Abs. 1
VRG [370.100]). Die Verfahrenskosten bestehen aus der Staatsgebühr, den
Gebühren für Ausfertigungen und Mitteilungen des Entscheids sowie den Baraus-
lagen (). Die Staatsgebühr beträgt höchstens CHF 20'000.00;
sie richtet sich nach dem Umfang und der Schwierigkeit der Sache sowie nach dem
Interesse und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Kostenpflichtigen (Art. 75
Abs. 2 VRG). Die Staatsgebühr wird – gleichermassen wie im früheren Verfahren
U 23 54 – in derselben Streitangelegenheit zwischen denselben Parteien
angesichts der Höhe des Beschaffungswerts (Auftragsvolumen) von gerundet
CHF 110'000.00 und einer mittleren Komplexität der sich stellenden Rechtsfragen
durch das streitberufene Gericht ermessensweise (erneut) auf CHF 2'000.00 (zzgl.
Kanzleiauslagen) festgelegt (vgl. dazu etwa Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden U 17 42 vom 22. August 2017 [Beschaffung Kommunal-
transporter]). Die Beigeladene hat am Verfahren nicht teilgenommen, weshalb ihr
keine Kosten aufzuerlegen sind.
8.2.
Im Rechtsmittelverfahren wird die unterliegende Partei in der Regel zudem
verpflichtet, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit verursachten
notwendigen Kosten zu ersetzen (). Nach (BR
310.250) setzt die urteilende Instanz die Parteientschädigung der obsiegenden
Partei nach Ermessen fest. Dabei geht sie gemäss Art. 2 Abs. 2 Ziff. 1 HV vom
Betrag aus, welcher der entschädigungsberechtigten Partei für die anwaltliche
Vertretung in Rechnung gestellt wird, soweit der vereinbarte Stundenansatz
zuzüglich allfällig vereinbartem Interessenwertzuschlag üblich ist und keine Erfolgs-
zuschläge enthält. Als üblich gilt gemäss ein Stundenansatz von
CHF 210.00 bis CHF 270.00. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte
im Verfahren U 23 54 mit Kostennote vom 12. Oktober 2023 für die Tätigkeit vom
19. Juni 2023 bis zum 12. Oktober 2023 eine Entschädigung in der Höhe von
gerundet CHF 4'784.00 (bestehend aus: 17.25 h à CHF 250.00 [CHF 4'312.50]
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zzgl. 3 % Auslagen [CHF 129.50] und 7.7 % MWST [CHF 342.00]) geltend (vgl. act.
F.1 im Verfahren U 23 54). Im Verfahren VR1 25 73 machte er mit Kostennote vom
18. Dezember 2025 für die Aufwände ab dem 20. Oktober 2025 eine weitere
Entschädigung von insgesamt CHF 2'992.35 (bestehend aus: 10.75 h à
CHF 250.00 [CHF 2'687.50], zzgl. 3 % Auslagen [CHF 80.65] und 8.1 % MWST
[CHF 224.20] geltend (vgl. act. G.2 im Verfahren VR1 25 73). Eine Honorar-
vereinbarung über CHF 250.00 liegt vor. Der geltend gemacht Arbeitsaufwand
erscheint dem Gericht als angemessen. Da die Beschwerdeführerin gemäss UID-
Register mehrwertsteuerpflichtig und damit vorsteuerabzugsberechtigt ist, ist diese
Entschädigung vorliegend ohne Mehrwertsteuer zuzusprechen (vgl. Leiturteil PVG
2015 Nr. 19). Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin demnach mit
insgesamt CHF 7'210.00 (inkl. Spesen und exkl. MWST) aussergerichtlich zu
entschädigen.
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Es wird erkannt:
1.1.
Soweit darauf einzutreten ist, wird die Beschwerde vom 10. Juli 2023
insoweit gutgeheissen und der Vergabeentscheid der B._____ vom 16. Juni
2023 betreffend Winterdienst und Schneeräumung D._____ aufgehoben, als
er die Winter 2026/2027 und 2027/2028 betrifft.
1.2.
Die Angelegenheit wird zur Neubeurteilung und zur neuen Vergabe im Sinne
der Erwägungen an die B._____ zurückgewiesen.
2.
Im Übrigen wird die Rechtswidrigkeit des Vergabeentscheids der B._____
vom 16. Juni 2023 betreffend Winterdienst und Schneeräumung D._____ der
Winter 2023/2024 bis 2025/2026 festgestellt.
3.
Die Gerichtskosten, bestehend aus
–
einer Staatsgebühr von
CHF
2'000.00
–
und den Kanzleiausgaben von
CHF
579.00
Total
CHF
2’579.00
gehen zulasten der B._____.
4.
Die B._____ entschädigt die A._____ aussergerichtlich mit insgesamt
CHF 7'210.00 (inkl. Spesen).
5.
[Rechtsmittelbelehrung]
6.
[Mitteilungen]

Referenzen

Bestimmungsliste

  • VR1 2025 73Preisgewichtung bei Winterdienstvergabe
Offizielle Quelle